Montag. Ein müder Montag. Das Wochenende war anstrengend. Denn der Großglockner Ultratrail ist für dieses Jahr schon wieder Geschichte und hat uns wieder einmal mehr als begeistert. Mit einigen Neuerungen kam der härteste Ultratrail Östereichs an diesem Wochenende daher. Jede einzelne davon hat diese Veranstaltung ein ganz großes Stück nach vorne gebracht. Wer dieses Jahr noch nicht dabei war, der hat was verpasst und sollte sich schon jetzt für 2017 ein großes X im Kalender machen. Auch wir waren natürlich wieder mit dabei. Dieses Rennen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Auch wenn vor allem mein Jahr ziemlich holprig angefangen hat und gar nicht so sicher war, dass ich bis zum vergangenen Samstag (23.07.) überhaupt schon wieder laufen hätte können. Aber jetzt von Anfang an. Kaprun im Pinzgau stand ein Wochenende lang unter dem Stern des Ultratrails. Zur Auswahl, aber mit geänderter Streckenführung standen die vollen 110 Kilometer mit 6500 Höhenmeter (Großglockner Ultratrail) oder die 50 Kilometer mit 2000 Höhenmeter (Glockner Trail) und ganz neu im Programm der Gletscherwelt Trail mit 30 Kilometern und 1000 Höhenmetern. Ich habe mich wieder für den Glockner Trail entschieden und war ziemlich gespannt auf die neue Streckenführung. Bereits am Freitag trafen wir in Kaprun ein – mit etwas Verspätung – und bezogen unser tolles Zimmer im Leitners Active Hotel. Dann ging es direkt ins Zentrum der Veranstaltung, zur Expo und Startnummern Ausgabe. Und wir trafen viele, viele Bekannte und Freunde. Einfach wunderbar. Für die meisten würde das Rennen um 24:00 beginnen. Zu dieser Zeit würde ich noch schlafen, wünschte aber allen viel Glück, für eines der härtesten Ultrarennen Österreichs.

Start zum Glockner Trail

Der Wecker klingelte um 03:45 Uhr und ich quälte mich etwas aus dem Bett heraus. Wurde dann aber doch recht schnell munter, weil die Aufregung stieg. Ich durfte Gott sei Dank mit Freunden im Auto nach Kals in Osttirol fahren und konnte dadurch etwas länger schlafen. Nach einem schnellen Frühstück saß ich dann auch schon im Auto gemeinsam mit den Jungs. Wir fieberten per Tractalis live mit den Läufern des 110K-Laufs mit. Ein neues System, das mittels GPS Tracker im Laufrucksack live die aktuelle Position anzeigt über eine App auf dem Handy oder auf der Website. In Kals war die Stimmung bereits richtig super. Musik lief, das Rennberiefing war informativ und es war trocken entgegen zum letzten Jahr. Um Punkt 07:00 fiel der Startschuss und die Menge brachte sich in Bewegung. Wie immer habe ich schnell das Gefühl eher ganz hinten zu sein. In diesem Fall hatte ich mich aber sogar schon darauf eingestellt, denn nach meiner Verletzung war ich froh überhaupt schon wieder laufen zu können. Ich treffe Kasia aus Polen. Wieder, so wie letztes Jahr. Wir liefen die ersten vier Kilometer zusammen. Dann ließ ich sie ziehen, weil ich schon merkte, dass sie stark unterwegs war. Wir erreichten den Taurerwirt und waren auf direktem Weg zur Berger Alm. Und ich war gefühlt ganz hinten.

Von der Berger Alm, Kalser Tauernhaus zum Kalser Tauern

Die ersten Kilometer liefen eher etwas langsam, etwas träge und mühsam. Und dennoch kam ich besser voran als im vergangenen Jahr. Durch die schöne Klamm, ging es dann über eine Forststraße zum Kalser Tauernhaus, wo es dann das erste Mal etwas zum trinken gab. Ich hielt mich nicht lange auf und machte mich gleich weiter auf den Weg. Denn ab diesem Zeitpunkt begann der wirklich tolle Teil. Die Forststraße wurde zum Singletrail und auch der technische Anteil stieg. Es ging bergauf. Auch mit mir. Ich kam deutlich besser voran. Holte einige Leute ein und heftete mich an eine Gruppe. Und die Ausblicke tragen einen fast nach oben. Der gefürchtete Anstieg auf die Kalser Tauern, war gar nicht mehr so beängstigend wie noch vor einem Jahr. Ja er ist steil, aber er fühlte sich gar nicht mehr so schlimm an. Von oben hörte ich dann bereits das Rufen meines Namens. Das pushte noch einmal. Anton (Bergretter) stand oben auf seinem Posten und hatte mich bereits erkannt… (Entschuldige bitte, dass ich nicht ganz so schnell war mit dem Erkennen). Wir wechselten zwei Worte und dann ging es auch schon durch einige Schneefelder bergab. Die Party auf der Rudolfshütte war bereits hier schon zu hören.  Blockgelände löste die Schneefelder ab und dann stiefelte ich auch schon die letzten Meter des Gegenanstiegs hinauf zur Rudolfshütte.

Rudolfshütte und das Kapruner Törl

Und wieder traf ich jemanden Bekanntes. Wie gut das tut. Davids Papa wartete auf mich und machte ein Bild von mir. In der Verpflegungsstation war super Stimmung und sehr gutes Essen vorzufinden. Außerdem dröhnte laute Musik und machte Lust auf tanzen. Ich fühlte mich richtig gut, trank Suppe und aß schnell etwas Kuchen. Und dann machte ich mich auf den Weiterweg. Der führt erst ein paar Meter hinter der Rudolfshütte hinauf. Und wieder traf ich bekannte, nette Gesichter. Tom und Silke feuerten mich an. Wir wechselten auch ein paar Worte. Dann lief ich den Downhill und war gespannt auf den ab jetzt neuen Abschnitt der Strecke. Massives Blockgelände brachte einige vor mir ein bisschen an die Grenzen, ich konnte etwas aufholen und wieder einige hinter mir lassen. Meine Bänder hielten. Und irgendwie war ich im Flow. Und dann begann der Aufstieg zum Kapruner Törl noch einmal 600 Höhenmeter hinauf. Erst einmal über einen eher sehr zugewachsenen Trail, dann über ein Bachbett, und dann entlang der Moräne in blockigem Gelände und einigen Serpentinen hinuf zum höchsten Punkt des Tages. Ich konnte mich an eine gute Zweier-Gruppe dran hängen und wir schoben uns nach oben. Mir ging es nach wie vor sehr gut. Und dann kamen wir oben nach einem kurzen Kletterzug oben an. Zwei Bergretter saßen auch hier wieder und bereiteten uns gute Laune. Die Kapruner Hochgebirgsstauseen lagen vor uns.

Ab jetzt nur noch Bergab

Bevor bei den Hochgebirgsstauseen ankamen, mussten wir erst einmal einen langen Weg über alte Schneefelder hinab gleiten. Aber auch eine kleine knifflige Querung passierten wir im Schnee. Dann fuhr ich Ski so gut es ging. Diese Strecke hatte wirklich Abwechslung zu bieten. Nach den Schneefeldern ging es über gute Trails weiter nach unten. Und ein paar Meter weiter unten sah ich sie dann, Kasia. Da war sie wieder. Ich hatte sie offensichtlich eingeholt und freute mich ganz wahnsinnig sie zu sehen. Ich rief zu ihr hinunter, sie wartete auf mich. Als ich sie erreichte beschlossen wir gemeinsam weiter zu laufen. Das hatte schon vor einem Jahr genau hier auch ganz wunderbar geklappt. Also ging es nun zu zweit immer weiter runter, dann erreichten wir den Trail, der uns querend rund um den ersten großen Stausee brachte. Geiler Trail, nahezu ohne Höhengewinn und -verlust konnten wir sogar richtig gut laufen. Kasia plagten Bauchkrämpfe, aber sie hielt prima durch. Wir quatschten die ganze Zeit und stellten fest, dass genau das Trailrunning sei. Wir hatten eine Freundschaft inzwischen entwickelt. Und dann erreichten wir die Staumauer. Der Asphalt tat weh, wir trennten uns kurz und trafen uns an der Verpflegungsstation wieder. Die letzten 16 Kilometer wollten wir gemeinsam machen.

Ins Ziel sind es noch 16 Kilometer

Nachdem wir reichlich Cola getankt haben, machten wir uns bereit. Wir liefen und liefen Meter um Meter nach unten. Die Strecke war in diesem Jahr definitiv laufbarer und nicht ganz so abenteuerlich wie letztes Jahr. Denn es blieb trocken! 🙂 Und über Almwege und Straßen ging es runter an allen Gebirgsstauseen vorbei. Den untersten liefen wir etwas oberhalb im Gestrüpp entlang. Zum Teil Seil versichert. Dann hier und da durch Tunnel hindurch, bis wir doch tatsächlich nach einigen Kilometern im Wald unten ankamen. Dort wartete ich allerdings kurz auf Kasia, weil sie kurz zur Toilette musste. Wir hatten inzwischen beschlossen, dass wir gemeinsam über die Ziellinie laufen wollten. Also wartete ich, weil ein paar Minuten mehr oder weniger bei so einem Lauf dann keinen Unterschied mehr machten. Dann über einen angenehmen Singletrail neben der Straße immer weiter Kaprun entgegen. Zum Schluss dann entlang eines Tümpels, an vielen picknickenden Arabern vorbei auf die letzten 1,5 Kilometer des Tages.

Hände hoch – wir haben es wieder geschafft

Auf den 1,5 Kilometern hatten wir Zeit noch neues Make-Up aufzulegen, die Laufklamotten zu richten und so zu wirken, als seien wir gar nicht müde. Nein, im Ernst. Wir ließen es nur noch laufen, langsam aber stetig. Und dann jubelten die Leute um uns herum schon und wir hörten die Musik im Ziel. Wir nahmen uns an die Hand, hebten diese hoch und traten gemeinsam und zeitgleich über die Ziellinie. Was für eine Freude, was für eine Freundschaft. Wir vielen uns in die Arme – Trailrunning verbindet. Dieses Rennen auch. Mit 09:10Std. kamen wir gleichzeitig ins Ziel. Nur ein paar Sekunden später dann auch David mit Anja. Ein Blick auf die Ergebnisliste hatte dann doch einen ganz kleinen faden Beigeschmack, denn da wurde ich von der Zeit her hinter David und Anja einsortiert, obwohl ich zeitgleich mit Kasia über die Ziellinie bin. Aber das sind nur Zahlen, der Stolz bleibt. Was für ein Tag, was für ein Rennen. Ich bin Hubert Resch und seinem Team so unendlich dankbar für dieses Rennen. Weil es mit Abstand das sensationellste Rennen Österreichs ist und sich auch  international nicht verstecken braucht!

Was bleibt?

Sind die guten Erinnerungen und neuen Freundschaften die entstehen. Trailrunning verbindet. Ich bin stolz auf das Geleistete. Bin dankbar für mein gutes Physioteam (Gangart) in Bischofshofen und natürlich das es ein Team gibt, dass sich der Herausforderung stellt ein Rennen von diesem Format auf die Beine zu stellen. Hammer! Und natürlich auf Wu, der so viele tolle Bilder gemacht und auf mich im Ziel gewartet hat. Im nächsten Jahr ist er dann hoffentlich selber dabei.

Über Tractalis

In diesem Jahr haben die Veranstalter ein neues Trackingsystem ausprobiert. Tractalis.com bietet ein GPS basiertes Trackingsystem im Liveformat.

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Tractalis Tracker

Dazu habe ich einen kleinen, leichten Tracker im Rucksack gehabt. Meine Startnummer wurde der Trackernummer zugeordnet.  Außerdem gibt es dort einen SOS-Knopf, der eine SMS an die Rennleitung im Notfall mit meinen Koordinaten sendet. Jetzt konnte jeder auf der Website oder auf dem Handy via App mein Rennen verfolgen. Ich finde das ziemlich spannend und für die angehörigen ist es eine geniale Sache. Einzig die App hatte am Renntag offensichtlich mit der Aktualisierung der Position hier und da ein paar Schwächen. Auf der Website hat das Livetracking aber tadellos funktioniert. Grundsätzlich sind wir in jedem Fall für dieses Tracking, weil man so einfach aktuellere Daten zum Rennfortschritt hat und im Notfall schneller gefunden werden kann.

Und hier noch alle Ergebnisse:

GGUT 110 KM

Top 3 Herren: 1. Gerald Fister (AUT, Trailcondor by BOSCO) – 15:13,36 1. Florian Grasel (AUT, Sharxx Alpine Team) – 15:13,36 3. Andreas Trockner (AUT, Salomon Running Team) – 15:44,23

Top 3 Damen: 1. Kristin Berglund (SWE, Salomon Running Team) – 18:43,07 2. Katia Fori (ITA, Team Tecnica) – 19:01,13 3. Katrin Grieger (GER) – 19:44,56

GT 50 KM

Top 3 Herren: 1. Markus Stock (AUT, DYNAFIT) – 4:48,21 2. Gediminas Grinius (LTU, Team Vibram) – 4:50,23 3. Michael Kabicher (AUT, Boa Closure System) – 4:53,20

Top 3 Damen: 1. Sandra Koblmüller (AUT, Salomon Running Team) – 5:42,25 2. Rosanna Buchauer (AUT, DYNAFIT) – 6:14,50 3. Evelyne Lachner (AUT, DYNAFIT) – 6:18,19

GWT 30 KM

Top 3 Herren: 1. Jan Mrazek (CZE, Skyrunning Team) – 2:57,25 2. Georg Egger (AUT, Dynafit) – 2:58,54 3. Philipp Schrempf (AUT) – 3:02,19 3. Thomas Bosnjak (AUT) – 3:02,19

Top 3 Damen: 1. Johanna Erhart (AUT, Dynafit) – 3:34,15 2. Anna Fröhlich (AUT) – 3:50,26 3. Lisa Pantoi (AUT, Salzburg Trailrunning Festival) – 3:53,15