Die Pläne für unseren zweiten Tag in Osttirol variierten am Vorabend, nachdem die Tour auf das Petzeck recht ausgiebig war. Nur in einem waren wir uns sicher. Ein 3000er sollte es sein. Unsere Pläne wurden konkreter, als wir beschlossen, zumindest im Debanttal zu bleiben. Und dann fiel die Wahl nach reichlich Karten- und Tourenrecherche auf das „Matterhorn“ der Schobergruppe. Glödis (3208m) war der etwas gewöhnungsbedürftige Name, der Raum für gedankliche Abwandlungen lässt. Aber darauf möchten wir nicht näher eingehen.  Fakt war, dass wir unser Ziel gefunden hatten, aber noch Bedenken wegen Luke hatten. Wir einigten uns darauf, wenn es nicht gehen würde, dass wir den Südostgrat einzeln gegangen wären. Also ging es ab in die Betten und am nächsten Morgen (08.09.) pünktlich raus aus den Federn. Um sieben Uhr saßen wir beim Frühstück und machten uns danach auf nach Seichenbrunn.

Wir gehen auf die Glödis. Ja, mit Hund.

Wir starteten dieses Mal in Richtung Lienzer Hütte und ließen die Abzweigung zur Wangenitzseehütte rechts neben uns. Unser Tagesziel hatten wir bereits vor Augen – es war soweit entfernt, wie es bereits wirkte. Auch obwohl Wu immer wieder sagte, das es täuschen würde und dass das ja gar nicht so weit sei. Also gingen wir zügig in der Morgensonne die Forststraße entlang zur Lienzer Hütte. Nach drei Kilometer erreichten wir die auch schon und wurden gleich einmal vom Hüttenchef kritisch begutachtet. Wo wir denn hin gehen würden und was wir mit dem Hund tun würden. Auf die Glödis und der Hund käme in den Rucksack war unsere kurze Antwort. Er lächelte nur. Es schien also unglaubwürdig geklungen zu haben. Direkt hinter der Hütte folgten wir dem Steig in Richtung Kalser Törl. Ein sehr angenehmer Steig. Nur die Glödis kam einfach nicht näher. Auf der Höhe von 2500 Metern, biegt man dann rechts ab, geht etwas bergab und quert über Brücken den Bach. Und zu diesem Zeitpunkt hat man dann wieder Begleitung durch Murmeltiere. Dann steilte der Steig deutlich auf und wir steuerten geradewegs auf einen kleinen Felshügel zu. Diesen Punkt 2782 umgingen wir dann aber links. Weiter oben sahen wir dann auch die ersten anderen Bergsteiger am Südostgrat der Glödis. Es war noch immer ein weiter weg und er zog sich sehr. Durch den alten Gletscherschliff in vielen Serpentinen nach oben und immer wieder konnten wir alle zusammen die kleinen Quellen für Abkühlung nutzen. Wir erreichten endlich den Südostgrat und konnten uns einen Eindruck von den 300 Metern Klettersteig machen. Er sollte in der Schwierigkeit A / B sein. Die Schwierigkeit haben wir im Griff, aber mit Luke im Rucksack ist es natürlich schon eine ganz andere Herausforderung.

Das sind doch nur 300 Höhenmeter auf den Gipfel der Glödis.

Luke nahm seinen Platz im Rucksack von Wu ein und dann stiegen wir los. Wir waren wohl das Highlight im Steig für einige andere herabkommende Bergsteiger, die Luke entdeckten. Ja, Luke würde einer der wenigen Hunde am Gipfel sein. Wir kraxelten Stück für Stück nach oben. Der Steig ist toll angelegt – aber man kommt trotzdem ein bisschen ins pusten. Die kleine Hängebrücke konnten wir Gott sei Dank rechts umgehen und kamen dann ziemlich glücklich oben am Gipfel der Glödis (3208m) an. Luke ließen wir erst einmal raus aus dem Rucksack, Beine vertreten. Hier oben gab es ausreichend Platz für eine Rast und Jause. Der Ausblick war gigantisch, die Leute hier oben allesamt sehr nett. Das Gipfelkreuz ist so oder so auch sehr hübsch und steht erst seit Ende 2011 dort oben, sehr modern also. Und nach unserem Gipfelbucheintrag, machten wir uns auch schon wieder auf den langen Abstieg. Erst einmal Luke in den Rucksack und über den Südostgrat runter vom Gipfel. Und beim Einstieg in den Klettersteig, konnten wir Luke dann wieder befreien. Das war auch dringend nötig, denn er setzte sich sofort hin und pinkelte. So erleichtert ging es dann für uns sehr zügig immer weiter hinab.

Natürlich habe ich es dann geschafft, noch mal richtig umzuknicken mit meinem rechten Knöchel. Für einen kurzen Augenblick dachte ich schon ein Hubschrauber wäre nötig gewesen. Aber nach ein paar Minuten ging es schon wieder ganz gut. Zwar langsamer, dafür aber immerhin noch eigenständig erreichten wir die Lienzer Hütte. Dort nahmen wir uns erst einmal Zeit fürs Essen, bevor wir zurück zum Auto gingen. Tolle Tour mit knapp 1600 Höhenmetern und 15 Kilometern und wieder einmal eine Bestätigung wie toll Osttirol und seine Berge sind. Wir kommen wieder keine Frage!