Das war eines dieser Herbstwochenenden, bei denen natürlich klar war, dass wir in die Berge müssen. Und nachdem wir am Samstag kläglich wegen Verschlafens an unserem Plan den Hochgolling zu gehen gescheitert waren, hielten wir ganz streng an unserem Plan am Sonntag das Schareck (3123m) zu überschreiten fest. Wir schafften es tatsächlich halbwegs pünktlich aufzustehen am Sonntag, (25.09.) und packten unser kleines Gepäck für eine lange Tour. Luke brachten wir zu unseren Freunden, was sich später als die definitiv bessere Lösung herausstellte und fuhren nach Sportgastein. Es hatte -1 Grad und ich war doch recht froh über meine kleine Daunenjacke. Wu war stark und startete im T-shirt mit mir Richtung Niedersachsenhaus. Das Niedersachsenhaus liegt oben am Grat und stand schon in der Sonne. Es steht ganz wunderbar ausgesetzt dort oben und insgeheim freuten wir uns schon auf ein verspätetes Frühstück dort oben.

Vorher machten wir uns aber erst einmal auf in den Talschluss und stiegen dann die ersten Höhenmeter sehr steil nach oben. Die paar wenigen Serpentinen machten es auch nicht angenehmer und uns wurde warm. Wir waren alleine unterwegs und wunderten uns bereits, warum es bei solch schönem Wetter so einsam hier war. Hinweg über ein paar kleinere Seilversicherte Stellen, erreichten wir dann das Almgelände unterhalb des Niedersachenhauses und merkten, dass es mit unserem Frühstück wohl nichts werden würde. Offensichtlich hatte die Hütte bereits winterfest gemacht, die Fahnen wehten nicht mehr. War ja wieder typisch für unsere Tourentage. Also gingen wir schnurstracks über die Terrasse weiter auf den Pröll-Weg. Das ist ein wunderbarer Grat, der in einem großen Bogen über den gesamten Bergkamm bis hin zum Schareck führt. Es wehte ein kleines Lüftchen als wir den Grat entlang gingen. Zum Teil etwas zum Kraxeln, aber nicht unbedingt schwer. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind trotzdem essentielle Eigenschaften, derer man mächtig sein sollte. Denn Stürze, sind auf diesem Stück eher ungünstig. Nach einiger Zeit erreichten wir den ersten Gipfel des Tages und überschritten diesen. Der Neuner Kogel (2827m) ist ein recht markanter Gipfel, der auch ein lohnendes Tagesziel darstellt. Wir hingegen überschritten ihn und steuerten nun die die Herzog-Ernst Spitze (2933m) an – das ist jetzt nicht wirklich schwierig, denn man überschreitet auch diese ganz automatisch auf dem Weg zum Schareck.

Kurz unterhalb der Herzog-Ernst Spitze (2933m) wurde das Dilemma dieser Tour dann leider auch sichtbar. Das Schareck ist zu seiner Kärntner Seite hin ein Skigebietsgipfel und auf dem Mölltalergletscher bereits Skibetrieb. Und so schön und einsam die Tour bis jetzt war, umso touristischer wurde sie jetzt. Auf die Herzog-Ernst Spitze kommt der erste Weg hinauf von der Kärntner Seite und die Wege werden auf dem Gipfel zusammengeführt. Wir machten uns also schnell an den Weiterweg, als wir die herannahenden „Massen“ sahen. Wenig später kletterten wir die Schlüsselstelle der Tour (II.), aber mit Stiften und Seil abgesichert. Nicht wirklich schwierig. Und dann wurde der Grat auch recht breit und fast ein Spaziergang hinauf auf das Schareck. Wir versuchten zu unserer linken Seite den Ausblick zu genießen zu unserer rechten war es eher traurig. Wahnsinn was alles erlaubt ist, wenn es um Tourismus und Geld geht.

Wir erreichten das Schareck (3123m) und wurden vom lauten Geschrei einer größeren Gruppe empfangen. Sie feierten ihren Gipfelsieg, als hätten sie gerade die Nordwand erstdurchstiegen. Leider waren ihre alpinistischen Erfolge auf Grund von nur fünf Minuten zu Fuß ab der Bergstation auf das Schareck eher gering. Aber natürlich, alles hat seine Berechtigung. Wir suchten uns ein etwas ruhigeres Plätzchen am Gipfel. Machten Pause und ließen das Skigebiet hinter unseren Rücken. So existierte es quasi nicht. Ein sehr nettes Pärchen aus Kärnten fragte uns nach unserem Aufstiegsweg. So richtig von „unten“ geht hier wohl kaum einer auf das Schareck. Neben der Bergstation erblickten wir noch einen weiteren Gipfel mit Kreuz. Den „holten“ wir uns auch noch. Dazu stiegen wir in Richtung Bergstation ab und erreichten, touristisch bestens erschlossen, den sehr einfachen 3000er Baumbachspitze (3105m). Schnell ging es wieder zurück Richtung Schareck, damit wir unterhalb unseren Weiterweg über das Schareckkees zum Aperen Schareck (2970m) antreten konnten. Das Schareckkees sah noch recht zu aus und hatte eine harte Oberfläche. Perfekter Trittschnee. Gerade vor uns starteten zwei Paraglider raus hinunter nach Sportgastein. Wir erreichten das Apere Schareck und bekamen einen ersten Überblick über unseren restlichen Abstieg über den Neuwirtsteig. Dieser war überall mit „Schwarz“ angegeben und wir wussten nun warum.

Im oberen Bereich stiegen wir steil, aber seilversichert ab. Die Tiefblicke waren schon ganz besonders. Und dann ging es über unzählig viele Serpentinen hinab. Ziemlich steil über ein Mix aus Schutt und Gras. Irgendwann entspannte sich die Situation und wir gingen entlang eines schönes Grats, bevor es dann über steile Grashänge in einigen Bögen und Querungen nur noch mühsam hinunter zur Moisealm. Meine schlagartig einsetzenden Kopfschmerzen und ein bisschen Übelkeit erschwerten den Abstieg im unteren Teil massiv – entweder ich war unterzuckert oder hatte einen leichten Sonnenstich. Etwas besser wurde es, als wir in der Moisealm Cola tranken und im Valerie Alpengasthof etwas Richtiges aßen. Das Bauerngröstl ist im Übrigen richtig zum Empfehlen. Richtig gut und richtig lecker. Mit dieser Tour endete vermutlich jetzt auch die Sommer-3000er Saison für uns und wir freuen uns wahnsinnig auf den Winter. Insgesamt fünf Gipfel, davon zwei über 3000m haben wir mit dieser Schareck-Überschreitung geschafft. Zurückgelegt haben wir 15 Kilometer und 1700 Höhenmeter gemacht. Zum Teil doch etwas technisch und nicht zu unterschätzen. Mit Hunden irgendwie so gar nicht machbar, außer von der Kärntner Seite aus.