Montag. Ein schlimmer Montag. Der Montag ist geprägt von Depression, wieder einmal. Ein ultimatives, anstrengendes, großartiges, lustiges Skitourenwochenende mit unseren Freunden Erika, Flo, Casi und Mario auf dem Westfalenhaus im Sellrain, liegt leider schon wieder hinter uns. Und nun stecken wir in dieser After-Bergdepression im Büro, obwohl wir doch eigentlich schon längst wieder zurück am Berg sein sollten um diese Zeit. Es ist aber auch wirklich jedes Mal das gleiche. Und jedes Mal kommt es anders als man denkt. Der Wetterbericht sagt, es wird schlechtes Wetter.

Alleine zur Hütte aufsteigen. Casi kommt mit. Casi kommt später. Erika kommt mit uns mit. Wir sind zu dritt. Flo kommt doch schon eher. Also zu viert. Mario kommt über das Ötztal zur Hütte. Dennis und Robert steigen mit Casi zur Hütte. Dennis und Robert haben eine massive Autopanne. Casi steigt alleine zur Hütte auf. Wir gehen erst zur Hütte, laden unser schweres Gepäck dort ab und steigen dann weiter zur Schöntalspitze (3008m) auf. Taten wir doch nicht.

Verlaufen! Die Schöntalspitze (3008m) von Lüsens aus.

Wir trafen mit Verspätung am Parkplatz in Lüsens ein und Erika wartete schon auf uns. Und Erika sagte uns, dass auch Flo jeden Moment eintreffen würde. Perfekt. Dann würden wir also zur viert zur Hütte aufsteigen. Und hätten dann noch ausreichend Zeit für die Schöntalspitze. Am Parkplatz treffen wir dann auch noch Philipp, der ein bisschen Eisklettern gehen wollte und mit uns ein paar Meter in Richtung Westfalenhaus. Wir entschlossen uns vorzugehen, weil er uns ja ohnehin einholen würde. Wir folgten dem Schild Westfalenhaus und den vielen anderen Tourengehern blindlinks. Schwer bepackt ging es also zunächst in den Wald hinein. Der Spur und den Hinweisschildern folgend. Am Parkplatz pfeift uns Philipp hinterher. Wir denken uns: Nichts.

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Raus aus dem Wald.

Aufstiegsfreuden mit schwerem Gepäck.

Das schwere Gepäk hängt auf uns und die steile Spur hinauf durch den Wald ist anstrengend. Die Sonne heizte uns auch ordentlich ein. Sind ja bloß 600 Höhenmeter, die gehen immer. Wir folgen dem Sommerweg zum Westfalenhaus. Allerdings schauten uns die Leute schon ein wenig komisch an. Das könnte an unseren sehr großen Rucksäcken gelegen haben. Wir haben uns nichts dabei gedacht. Über einige Steilstufen stiegen wir auf, bis wir das Schöntal erreichten. Wir hatten bereits über 600 Höhenmeter absolviert. Doch gedacht haben wir uns noch immer nichts. Hinter der nächsten Kuppe würde die Hütte schon stehen. Erika lief vor und stieg weiter auf. Wu blickte auf seine Uhr, sah eine Angabe von 1200 Höhenmetern und stellte fest: Falsch. Wir sind falsch. Verlaufen! Wir erreichten den Melkplatz und machten eine Pause. Wir sammelten uns, legten nach 1200 Höhenmetern erst einmal die Rucksäcke ab. Wir überlegten, wie wir Flo jetzt positiv verkaufen würden, dass wir die Hütte noch nicht erreicht hätten? Wir waren auf dem direkten Weg zur Schöntalspitze (3008m). Wir würden versuchen wollen, diese zu überschreiten und durch die Südrinne abzufahren direkt zur Hütte. Wir nahmen unser schweres Gepäck weiterhin mit. Durch den alpinen Kessel nördlich der Schöntalspitze ging es weiter und dann stiegen wir die schweren und sehr steilen Meter in südwestlicher Richtung in der Gipfelflanke hinauf. Bis auf 2900m bevor wir dann von Ski auf die Steigeisen wechselten und die Flanke weiter hinauf stapften. Natürlich mit den Ski auf dem Rücken.

Einige Meter hinauf zum Gipfel.

Über den Vorgipfel und einen Grat ging es dann zum Gipfelkreuz der Schöntalspitze (3008m). Geschafft.

Gipfel der Schöntalspitze (3002m)

Wir konnten das Westfalenhaus bereits sehen. Allerdings auch, dass an eine Einfahrt in die Südrinne nicht zu denken war. Abklettern mit den schweren Rucksäcken und Ski und dann eine Einfahrt in eine Rinne mit massiv viel Triebschnee – keine gute Idee. Also Rückzug über den Aufstieg, samt vollem Gepäck. Casi würde bereits im Aufstieg zur Hütte sein. Dennis und Robert steckten mit einer Autopanne irgendwo in Deutschland, sie würden nicht mehr kommen. Wir wollten ja ohnehin die Schöntalspitze machen. Jetzt hatten wir den Gipfel. Am Parkplatz in Lüsens angekommen, machten wir einen neuen Plan gezwungenermaßen.

Hinweis: Danke Erika für die Bilder, die wir vermehrt für diesen Teil nutzen dürfen, weil wir selber kaum Bilder gemacht haben. Und die Erika kann man im übrigen jetzt auch ganz offiziell als Fotografin buchen – alle Informationen unter www.erikaspengler.com

Ballast weg! Aufstieg zum Westfalenhaus.

Nach einer kurzen Pause im Alpengasthaus Lüsens und einem erneuten Treffen mit Philipp, der uns darauf aufmerksam machte, dass er uns doch extra hinterher gepfiffen hätte, machten wir uns abermals auf den Weg. Dieses Mal auf dem Winterweg zum Westfalenhaus. Aber unser Gepäck musste weg. Der Hüttenwirt schickte uns die Materialbahn runter und nach 20 Minuten Zustieg konnten wir den Ballast los werden. Endlich. Denn erneut standen 700Höhenmeter Aufstieg vor uns. Es wurde dämmrig, dann erspähten wir die Hütte, die mit ihrem warmen Licht lockte. Casi wartete schon. Und wir machten auf den letzten Metern zum Westfalenhaus die 2100Höhenmeter Tagesleistung voll. Damit feierten wir auch gleich zwei Premieren. Flo und Erika sind vorher noch nie so viele Höhenmeter am Stück gegangen. Bravo. Auf dem Westfalenhaus wurden wir mehr als warm empfangen, sowohl von den Hüttenleuten, als auch von Casi – ein schönes Wiedersehen. Auch Mario traf dann über Umwege doch noch auf der Hütte ein. Gemeinsam aßen wir zu Abend. Ein vorzügliches Menü, sogar mit Nachschlag. Dann fielen wir in unser Dachlager und schliefen schnell ein. Also zumindest ich.

Zwei Fliegen mit einer Klatsche! Der Längentaler Weißkogel (3218m) und der Hohe Seeblaskogel (3235m).

Samstag (27.02.) war es dann doch bewölkt. Aber mild. Und doch ziemlich windig. Wir frühstückten reichhaltig und ausgesprochen gut. Da blieben keine Wünsche offen, bevor wir uns dann auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, den Längentaler Weißkogel machten. Zunächst die etwas unschöne Abfahrt in den Talboden vom Westfalenhaus, bevor wir dann auffellten und die ersten windigen Meter in Richtung Talschluss des Längentals nach Süden machten.

Start im flachen Längental.

Es ging erst einmal sehr flach ansteigend los und dann über eine erste Steilstufe, an deren oberen Ende der Abzweig zum Hohen Seeblaskogel liegt. Wir gingen allerdings weiter taleinwärts über einige Gletschermoränen.

Flo, Casi, Wu und Erika im Aufstieg.

Wir hielten uns eher in der Mitte und erreichten die nächste Steilstufe. Der Wind war bereits ziemlich heftig, dafür bließ er aber auch die Wolken weg. Zunehmend kam die Sonne durch die Wolken hindurch und wärmte uns. In einigen Kehren erreichten wir dann das weite Becken zwischen den Bachfallenkopf und Hinteren Brunnenkogel. Unseren Gipfel hatten wir dabei schon fest im Blick und auch, dass er wirklich gut besucht war.

Erika im Aufstieg.

Den Gipfel schon fest im Blick.

Wir stiegen auf das Längentaljoch zu und zweigten dann in einem weiten Rechtsbogen auf den Gipfelaufbau zu. Nach einigen Kehren erreichten wir dann das Skidepot, bei dem wir uns noch kurz Zeit für eine Pause nahmen, bevor wir die letzten Meter zum Gipfel stapften.

Viel los am Skidepot.

Einige Kehren auf dem Weg zum Gipfel.

Der Blick zum Bachfallenkopf.

Die letzten Meter zum Gipfel.

Gipfel Längentaler Weißkogel (3218m) am 27.02.2016

Die Föhnwalze stand schon an.

 Den hatten wir dann für kurze Zeit sogar für uns alleine, also menschenleer und windstill. Außerdem hatten wir eine nicht ganz so schlechte Fernsicht – auch auf die Schlechtwetterfront, die sich bereits wie eine Walze über die Gipfel legte. Wir machten ein paar Bilder und uns dann bereits wieder an den Abstieg. Mit den Ski ließ es sich gar nicht so schlecht fahren, sogar ein paar Pulverschwünge ließen sich absolvieren.

Schaut gar nicht so schlecht aus.

Bei Wu schaut es sportlicher aus.

Ok, ein bisschen Rückenlage.

Allerdings war der Schnee eher ungemütlich zum fahren. Wir fuhren hinab zur Abzweigung des Hohen Seeblaskogels. Es brauchte schon ein wenig Überzeugungsarbeit, diesen Gipfel auch noch dran zu hängen. Aber wir einigten uns die weiteren obligatorischen „600“ Höhenmeter – ääähm, räusper knapp 900 Höhenmeter noch zu machen, um den wohl markantesten Berg des Tourengebiets auch noch mit nach Hause zu nehmen. Wir schließen ein wenig Gepäck unter einem Felsen liegen und fellten wieder auf. Ganz langsam stiegen wir die ersten steilen Kehren des Ost-Nordosthang hinauf. Der Wind gab Vollgas und unendlich viele Schneekristalle prasselten auf das Gesicht ein.

Der steile Osthang.

Der Sturm tobt.

Trotzdem lachen noch alle.

Auf dem Grüne Tatzen Ferner.

Die letzten Kehren zum Skidepot.

 Zum Teil war das richtig ungemütlich und zwischenzeitlich dachten wir darüber nach, nicht mehr weiter zugehen. Als wir dann aber das schmale Kar der Grüne Tatzen erreichten, legte sich auch der Wind und die Sonne zeigte sich wieder. Also gingen wir weiter in fast gleichbleibender Steigung, bis wir dann das weite Becken des Grünen Tatzen Ferners erreichten. Ein wirklich kleines Reststück von einem Gletscher, wo sich aber das Gelände etwas legt. Den Gipfelaufstieg konnten wir schon gut erkennen und bestaunen. Ein extrem toller Berg. Das letzte Stück zum Gipfelaufbau zog sich dann sehr und wurde mühsam. Unsere Beine waren eben doch schon müde. Dafür war es windstill und warm in der Nachmittagssonne. Als wir das Skidepot erreichten machten wir erneut erst einmal Pause, warteten dass wir den Gipfel für uns alleine haben würden. Zu Fuß ging es über den Westrücken zum Gipfelkreuz.

Erika und Flo im finalen Aufstieg.

Steiles Stapfen zum Gipfel.

Ein herrlich wunderbarer Gipfel mit einer gigantischen Aussicht auf die umliegende Bergwelt.

Gipfel Hoher Seeblaskogel (3235m) am 27.02.2016

Ausblick vom Hohen Seeblaskogel.

Wu bei der Abfahrt vom Hohen Seeblaskogel.

 Wir schossen die berühmten Gipfelbilder, verteilten Gipfelbussis und machten uns an den Abstieg. Die Abfahrt erwies sich dann noch mal als echte Herausforderung – zumindest für die weibliche Kategorie. Müde Beine machen sich eben doch bemerkbar. Und weil uns ein bisschen Unmut beim Gedanken an den Gegenanstieg zur Hütte kam, versuchten wir durch das Gestrüpp zu queren. Dazu fellten wir wieder auf und Wu suchte uns einen Weg mit nur flachen Aufstiegsmetern zurück zur Hütte.

Wir queren zum Westfalenhaus.

Das klappte sogar richtig gut und gesund, munter ähm müde, glücklich und zufrieden stellten wir unsere Ski im Skiraum des Westfalenhauses wieder ab. Mit weiteren 2100 Höhenmetern in den Beinen machten wir die Tourennachbesprechung in unseren Betten – bevor wir in der Stube unseren Tisch bezogen. Unkompliziert wie die Hüttenwirtsleute sind, gab es auch gleich unsere Suppe aus der Halbpension. Damit wir nicht so lange hungrig auf das Abendessen warten mussten. Ein rund um genialer Tag neigte sich wieder dem Ende zu. Wir lachten, erzählten, tranken und planten den Sonntag nicht zu planen. Wir wollten es dem Wetter überlassen, ob wir noch einen Gipfel gehen würden. Wir schliefen, bis auf Wu, wieder einmal sehr gut.

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind.

Bereits in der Nacht tobte der Südföhn rund um die Hütte und als wir am Sonntag (28.02.) aufwachten, lud das Wetter nicht wirklich zur Skitour ein. Wir gingen erst einmal frühstücken und besprachen, ob wir noch auf den Winnebacher Weißkogel gehen sollten. In Anbetracht dessen, das sowohl die Aussicht, als auch der Wind nicht sonderlich einladend waren, entschlossen wir uns, den Tag ausklingen zu lassen. Taten wir dann auch. Die Abfahrt zurück zum Parkplatz war dann auch kein sonderliches Schmankerl, aber ging zügig. Und viel zu schnell mussten wir uns dann schon wieder trennen. Und wieder einmal kam alles anders als gedacht. Und vor allem sind wir keine Blogger mehr die sich treffen, sondern Freunde, die gemeinsam wertvolle Zeit verbringen. Das ist das wohl schönste Fazit des diesjährigen Skitouren-Bloggertreffens.
Und wer nach unserem Beitrag noch Kraft hat, der sollte sich unbedingt auch die Berichte von unseren Freunden durchlesen – die schreiben nämlich auch gut, wenn nicht sogar besser!
Erika und ihre Sicht der Dinge: hier!
Casi und hoffentlich ein Bericht: hier!
Flo, bei dem wir hoffentlich gut wegkommen, trotz müden Beinen und leider nur halber Mannschaft: hier!