Am zweiten Tag unseres Tourenwochenendes auf der Lienzer Hütte entschied ich mich für eine gemütlichere Tour. Etwas entspanntes sollte es sein und trotzdem ein 3000er sein. Neben einer kleinen Kletterstelle kurz unterhalb des Gipfel bietet der Keeskopf (3081m) keine weiteren Schwierigkeiten. Einer der schönsten 3000er der Region, sagen die Führer. Und gut besucht scheint er zu sein. Nach einer etwas kürzeren Nacht, stehen wir alle pünktlich vor der Hütte. Dieses Mal mit Sonnenschein und wärmeren Temperaturen. Und der Andi hat sogar Musik für uns mit dabei, aber dazu später mehr.

Manchmal ist die Orientierung und Wegfindung das größte Problem

Wir starten hinter der Hütte in Richtung Noßberger-Weg, ein kleines Stück runter, überqueren den Debantbach und folgen dem Weg ein Stück talauswärts. Eigentlich logisch. Dann kommen Zweifel auf und ich schaue noch mal auf die Karte. Ja, wir sind richtig. Ich zweifle trotzdem, wir gehen wieder ein Stück zurück. Noch mal schaue ich in die Karte. Nein, der Weg muss da lang gehen und quert dann nach links über das Kreuz dort oben. Wir sehen keinen Weg mehr. Also gehen wir den Hang einfach gerade hinauf durch die Latschen. Immerhin sind wir danach mehr als warm und die ersten 100 Höhenmeter reichen für einen aktiven Kreislauf. Wir treffen auf den eigentlichen Weg und können planmäßig zum Hüttenhügel aufsteigen. Genau bei dem machen wir kurz Pause, bevor wir dann weiter gehen. Es folgt eine Abzweigung nach rechts. Genau die müssen wir nehmen. In Richtung Noßberger-Hütte oder auch Niedere Gradenscharte, die wir überschreiten.

Sanfte Almen und massives Blockgelände auf dem Weg zum Keeskopf

Das sanfte Almgelände führt uns ein in die wunderbare Welt des Debanttals. Wir treffen auf eine Herde Ziegen, die ziemlich an Luke interessiert sind und einige Murmeltiere. Die hören wir nur pfeifen und sehen sie in sicherer Entfernung laufen. Wir steigen nur leicht steigend an und ich finde ein angenehmes Tempo. Wir quatschen und lachen viel. Im Steinkar unterhalb der Niederen Gradenscharte wird es dann auch ziemlich steinig. Schuttig eben. Und steil. So flach es bis jetzt war, so steil steigen wir gerade Serpentine um Serpentine hinauf. Dabei kommen wir ins schwitzen. Als wir die Niedere Gradenscharte erreichen, machen wir eine Pause beim Eissee, der ganz wunderbar eingebettet hier zwischen dem Gletscherschliff liegt. Er ist eiskalt – lässt natürlich auch der Name Eissee vermuten. Der Wind frischt etwas auf, als wir am See rechts herum vorbei gehen und dann die Abzweigung über den Schliff entlang der Steinmanderl nehmen.

Wir steigen jetzt in kleinen auf und ab über den Rücken des Keeskopfs auf. Zum Schluss wird es dann noch mal ganz schön steil und etwas matschig, durch den Schnee. Und dann machen wir die letzten Schritte auf den Gipfel. Und nur ein paar wenige Sekunden später, spielt Andi mit seiner „Zugin“ am Gipfel und sorgt für wunderschöne musikalische Untermalung auf diesem Gipfel der auf 3081m steht. Wer hat schon den Luxus hier oben ein bisschen Musik zu hören?

Nachkommenden Bergsteigern gefällt die Stimmung ebenfalls. Wir sind recht lange am Gipfel, genießen Musik, Snacks und die Aussicht. Bevor wir uns wieder an den Abstieg machen, gibt es noch die obligatorischen Gruppenbilder.

 

Und dann steigen wir ab, machen noch mal kurz Rast am Eissee und dann gehts direkt zur Lienzer Hütte. Fünf aus unserer Gruppe biegen zur Wangenitzseehütte ab, bleiben noch eine Nacht und besteigen das Petzeck. Das war es dann mein erstes geführtes Tourenwochenende für den Alpenverein Werfen. Vielleicht geht es beim nächsten Mal dann auch raus auf den Gletscher – damit es eine wirkliche Hochtour ist.