Wir sind wieder einmal in Osttirol. Osttirol ist halt einfach facettenreich und hier stehen eine Menge 3000er. Dieses Mal haben wir uns Ziele in der Schobergruppe herausgesucht. Innerhalb der Schobergruppe hatten wir bis jetzt nur den Hochschober während einer Skitour erklommen. Wir entschieden uns für einen Stützpunkt in Lienz, von dem man sehr bequem, aber wenig schnell ins Debanttal fahren konnten. Als Startpunkt diente Seichenbrunn – der Einstieg in den Nationalpark Hohe Tauern. Luke haben wir mit seinem Brust-Tragegeschirr ausgestattet und unseren entsprechend großen Rucksack für ihn eingepackt. Dienstagabend (06.09.) haben wir unser Quartier in Lienz bezogen und uns auch mal Lienz angeschaut. Sehr nettes Örtchen, dass gerade in den Vorbereitungen des Dolomitenmanns stand. Nach einer erholsamen Nacht, saßen wir um kurz nach sieben Uhr in der Früh beim Frühstück, bevor wir nach Seichenbrunn fuhren.

Kommt da wirklich irgendwann der Parkplatz?

Das Debanttal ist lang. Sehr lang und die asphaltierte Straße hört bereits sehr früh auf. Eine Schotterstraße führt bis in den Talschluss und trotzdem fragten wir uns irgendwann, ob da wirklich irgendwann der Parkplatz käme. Dieser war dann letztendlich nicht zu übersehen. Und auch der folgende Aufstieg sah vielversprechend aus. Also starteten wir in Richtung Wangenitzseehütte, die wir über die untere Seescharte erreichen würden. Die ersten Meter ging es über schöne Almwiesen, bevor der schmale Steig dann ziemlich aufsteilte und wir die Baumgrenze recht zeitnah hinter uns ließen. Die Latschen heizten sich extrem auf und wir kamen richtig ins Schwitzen. Außer Luke der musste wie gewohnt immer auf uns warten. Wir querten im oberen Bereich die Materialseilbahn und erreichten eine wunderschöne Almfläche, die kitschiger nicht sein könnte. Wir waren alleine dort oben und entdeckten unseren weiteren Abstieg, der nicht weniger steil sein würde. In einer großen Linkskurve führte uns der Weg zunächst hinauf auf den Höhenweg der in Verlängerung nach links abzweigt und zur Lienzer Hütte führt, oder eben rechts entlang hinauf auf die untere Seescharte. Wir genossen die Einsamkeit und warteten auf das schöne Wetter, dass die Prognosen ja versprochen hatten. Inzwischen umgab uns sehr viel Hochnebel und die Sonne verzog sich. Als wir die Wangenitzseescharte erreichten, wurde es mit dem aufkommenden Wind sogar richtig kalt. Und uns wurde bewusst, es würde noch ein seeeeeeeeehr langer Weg zum Petzeck sein, dass sich allerdings gerade im dunklen Nebel versteckte.

Nur noch da rauf und dann da, dann sind wir sofort auf dem Petzeck.

Den kleinen Abstieg von der Scharte hinab zur Wangenitzseehütte war schnell geschafft. Wir überlegten hier kurz zu pausieren und auf besseres Wetter zu warten. Und dann gingen wir doch einfach weiter. es würde schon aufreißen. Von der Hütte ging es in östlicher Richtung über den Steig 927 weg. Nach Norden dann weiter durch eine felsige Flanke. Vorher hatten wir Luke schon das Tragegeschirr angezogen und ihn angeleint. Es stellte sich aber schnell heraus, dass er der weitaus bessere Bewegungskünstler in diesem Gelände war, als wir es waren. Nach der Flanke erreichten wir die flachere Karmulde, über die es recht sanft, aber stetig ansteigend nach oben ging. Inzwischen verzogen sich die Wolken auch wieder ein wenig und wir konnten nur erahnen, wie lange es noch dauern würde. Der Steig wurde deutlich anspruchsvoller, aber immer gehbar. Luke musste nicht in den Rucksack und ging wie selbstverständlich. Das erleichterte uns auch das Gehen. In einer ziemlich schönen und dann sehr logischen Linie erreichten wir die Petzeckscharte.  Leider waren wir da noch immer nicht ganz oben. Also weiter über Schutt hinauf und nordwärts gehend. In der Ferne konnten wir dann den exponierten Gipfel entdecken. Auch das „gefährliche“ Firnfeld, dass in einigen privaten Tourenberichten, als sehr dramatisch dargestellt wurde. Wir möchten betonen, dass dieses komplett flach ist und man selbst bei purer Absicht, nirgendwo hinrutschen kann. Also Steigeisen braucht man dort wirklich nicht. Und Luke nutzte es für ein Bad im Schnee. Als wir das Firnfeld überquert hatten, ging es dann die wirklich letzten Höhenmeter über Schutt zum Gipfel. Dort waren wir nicht ganz alleine, hatten aber sehr nette Gesellschaft. Auch der Wind war zu Gast. Aber immerhin hatten wir etwas Aussicht. Wir hätten den Gipfel des Petzecks (3283m) auch deutlich schlechter erleben können.

Langer Abstieg vom Petzeck mit Pause auf der Wangenitzseehütte.

Auf Grund des wirklich eisigen Windes machten wir uns nach kurzes Zeit wieder auf. Der Abstieg würde so oder so noch lang werden. So richtig viele Leute waren hier einfach nicht unterwegs. Wir machten Meter um Meter nach unten. Luke nutze das Firnfeld abermals für ein Bad darin. Dann stiegen wir Kehre um Kehre zügig hinab. Das ist immer das Beste an steilen Aufstiegen, man ist richtig schnell wieder unten. Und dann querten wir auch schon wieder durch die felsige Flanke, bevor wir die Wangenitzseehütte erreichten. Eine Hütte mit Seeblick, auf der wir uns erst einmal mit Suppe und Getränken stärkten. Frisch ging es dann den kleinen Gegenanstieg zur unteren Seescharte und dann in einem Affenzahn zurück zum Parkplatz. Ein langer Tag ist es gewesen und Luke sollte auch pünktlich zu seinem Abendessen kommen. Einfach traumhaft gewesen dieser Bergtag und Gipfel. Insgesamt haben wir 16 Kilometer zurück gelegt und inklusive Gegenanstieg dann 1800 Höhenmeter hinter uns gebracht.