Das Messner Mountain Biwak im Hintergrund.

Nicht weit vom Langtauferer Tal, zog es uns zu unserem nächsten Halt Sulden. Ohne vorher ein Zimmer zu reservieren, versuchten wir unser Glück ganz spontan. Unter der Woche sollte das ja eigentlich auch möglich sein. Wir trudelten am Sonntagabend (12.07.) in Sulden ein, versuchten unser Zimmerglück zunächst bei zwei Hotels, die ich vorher im Internet recherchiert hatte. Beide wollten allerdings doch recht viel Geld für die Nacht mit Frühstück.

Meistens sind allerdings aller guten Dinge Drei und dann stand ich im Empfang des „Biwak“ mit drei Sternen. Nichts ahnend, dass ich mich gerade im Messner Mountain Biwak befand.
Die nette Dame am Empfang bot mir noch ein Doppelzimmer und ein Einzelzimmer an inklusive Frühstück zu einem Preis, dass ich es kaum glauben konnte. Ich schaute mir noch schnell die Zimmer an. Bingo – hier müssen wir bleiben. Dann schoss es uns – denn Herr Messner war allgegenwärtig. Das musste die Pension von Herrn Messner sein. Wir bezogen unsere Zimmer, duschten ausgiebig und machten uns dann auf um ein Restaurant für den Abend zu finden. Nahrungsaufnahme entwickelt sich immer schnell zu den wichtigsten Dingen im Bergurlaub. 

Das Messner Mountain Biwak ***

Wer ein hoch modernes Hotelerlebnis erwartet, der ist hier falsch. Wer hingegen, auf Modernität verzichten kann, dafür Sauberkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wünscht, der ist hier umso richtiger. Eine Frühstückspension, von der wir gar nicht mehr gehen wollten. Das Team im Mountain Biwak ist familiär und super lieb und zuvorkommend. Jeder Wunsch wird von den Augen abgelesen, Extrawünsche waren kein Thema. Die Zimmer sind derzeit nicht modern, allerdings sehr gemütlich und sauber. Die Bettwäsche ein Traum. Zu einem Preis von 33€ pro Person und Nacht inklusive super reichaltigem Frühstück, nächtigt man hier nicht nur als Bergsteiger sehr gut. Im Sommer 2016 wird das Mountain Biwak allerdings renoviert und modernisiert. Das Team bleibt trotzdem und wir sind uns sicher, das es nicht an Charme verlieren wird. Wer hier einchecken möchte, der kann sich hier informieren.
Pausentag in Sulden – auch wir brauchen mal Erholung
Der Montag (13.07.) stand dann ganz im Zeichen der aktiven Erholung. Das schaut bei uns dann so aus: Erst einmal lang schlafen (07:30Uhr) und dann ein ausgiebiges Frühstück. Um dann im Anschluss kurz durch die „Shoppingmeile“ zu fliegen, bei einem Kaffee kurze Zeit später am Ortsplatz zu sitzen, um dann pünktlich um 13:00Uhr zur Öffnung des Messner Mountain Museum Ortler zu sein. Für einen Eintrittspreis von vier Euro pro Person als Gäste des Biwaks, bekamen wir hier viele tolle Eindrücke rund um das Thema Eis und Schnee rund um den Ortler und die Antarktis. Nach dem wir viele Eindrücke gesammelt haben, knurrte auch schon wieder unser Magen – den füllten wir dann im Yak & Yeti (Messners Gasthaus, mit rein biologisch angebauten Nahrungsmitteln inkl. eigener Yakzucht)…danach fielen wir wieder in unsere Betten für einen kurzen Powernap, bevor es zur Tourenbesprechung und abendlichen Nahrungsaufnahme ging.

Das Yak & Yeti direkt am Messner Mountain Museum. ©Franz Öbster

Der Plan stand fest – der Normalweg sollte es auf den Ortler werden, allerdings direkt von Sulden aus. Die Kirche stellte unseren Startpunkt dar, genau wie beim Speedrekord von Marco de Gasperi. Vielleicht könnten wir ihn knacken, den Rekord von 02:36Std.? 🙂 

Der Ortler Normalweg – lässt das Bergsteigerherz höher schlagen

Wir entschlossen uns gegen 02:00Uhr morgens von der Kirche in Sulden aus zu starten. Der Wecker klingelt bereits um 01:30Uhr und läutete zu einem genialen Tag ein. Wir zogen uns an, frühstückten unsere am Vorabend gerichtete Jause und starteten hinaus mit unseren Stirnlampen. Es ist Dienstag (14.07.) und wir starten unseren Rekordversuch um 02:06Uhr. Unsere Stirnlampen weisen uns den Weg zu unserem ersten Zwischenziel – die Tabaretta-Hütte. Zunächst ging es durch den Nadelwald hinauf, dann querten wir unterhalb der Nordwand des Ortlers immer etwas bergauf. Dann gingen wir die finalen Stufen hinauf auf die Terrasse der Tabaretta-Hütte. Es ist alles dunkel, auch der Himmel zeigt sich noch in seinem Nachtgewand. Es war nicht kalt, aber der Himmel war voller Wolken. Ab der Tabaretta-Hütte ging es dann über einen schönen „Wanderweg“ steil in vielen Kehren bergauf zur nächsten Hütte, die Payer-Hütte stellte unser neues Ziel dar. Erst als wir oben die Scharte erreichten, wurde es auch in der Payer-Hütte erhellt. Die ersten Lichter gingen an und endlich konnten wir auch ein bisschen was von unserer Umgebung sehen.

Unterhalb der Payer-Hütte. ©wusaonthemountain

Da unten steht die Tabaretta-Hüte ©wusaonthemountain

Und der Talwind begrüßte uns – das ist immer das blöde an diesen frühen Morgenstunden. Die Payer-Hütte ist für die meisten Ortleraspiranten der Startpunkt der Besteigung. Wir nutzen den Eingangsbereich nur kurz fürs umziehen und anziehen von Jacke und Handschuhen. Dann ging es sofort weiter. Es ging über den Felsensteig in der Nordostflanke der Tabarettaspitze entlang – teilweise etwas vereist. Dann wechselten wir in einer Scharte wieder in die Südostseite. Trittsicherheit war bereits hier schon gefragt. Die Steigspuren wiesen uns den weiteren Weg – Wu kannte diesen Weg bisher nur vom Abstieg nach der Begehung des Hintergrats. Auf Steigspuren weiter in die Scharte der nächsten Erhebung, wobei wir überwiegend auf der Südseite geklettert sind und nur manchmal in die Nordseite wechselten.

Wu ist konzentriert. ©wusaonthemountain

Kraxelein am Grat. ©wusaonthemountain

Die Ausblicke waren hier schon wirklich tiefgründig. Auf der Südseite ging es dan auch weiter über die nächste Erhebung zum Fuß des so genannten „Wandl“. Dieses Wandstück ist mit Ketten klettersteigmäßig versichert, was es aber nicht weniger spektakulär gemacht hat. Wir sind hier rund 70m senkrecht nach oben geklettert, unter einem war sehr viel Luft.

Immer weiter hinauf – von da hinten kommen wir her ©wusaonthemountain

Danach folgte weitere Gratkletterei vom feinsten. Noch rund 100m folgten wir dem Grat zur nächsten Scharte, wo der Grat wieder steiler wurde. Dort waren dann auch die technischen Hauptschwierigkeiten, vor allem für mich. Bei einem Bohrhaken (Stand) einige Meter nach rechts queren und bei einem Haken direkt hinauf zum Standplatz mit zwei Bohrhaken (3+).

Kurz vor der Schlüsselstelle. ©Franz Öbster

Wir sind den gesamten Grat seilfrei gegangen, was immer höchste Konzentration erforderte. Dann noch einige Meter ausgesetzt dem Grat folgend und dann erreichten wir, das zur Pause einladende Plateau, wo die meisten die Gletscherausrüstung anlegen. Hier hatten wir auch kurz Zeit mal durchzuatmen. Wir entschlossen uns die Ausrüstung auch erst bei Beginn des Gletschers anzulegen und gingen direkt weiter. Einige Meter im Fels ging es hinab zu einer Scharte und anschließend im Sinne des Aufstieges nach rechts in die Firnflanke queren. Dort wurde es dann auch für uns Zeit jegliche Ausrüstung anzulegen.

Unterhalb des Bärenlochs – hier legen wir die Gletscherausrüstung an. ©wusaonthemountain

Dann ging es über das Bärenloch (Achtung Spalten und Seracs) steil über eine Flanke hinauf auf Höhe des Biwaks. Den Felsriegel konnten wir dabei auslassen und direkt durch die Flanke aufsteigen. Das Bärenloch ist ziemlich imposant.

Eisabbruch am Bärenloch. ©wusaonthemountain

Steil ging´s hinauf. ©Franz Öbster

Richtung Lombardi Biwak. ©wusaonthemountain

Vom Biwak ging es dann vorwiegend den Firnrücken aufwärts (teilweise bis 35-40° steil!) auf das Gipfelplateau (die Steilheit der Firnflanke nimmt nach oben hin immer mehr ab). Dabei haben wir unzählige große Spalten überqueren müssen – die vor allem bei fortgeschrittener Tageszeit nicht ganz ohne sind. Aber die Schneebrücken waren noch in einem guten Zustand und so sind wir nahezu problemlos weiter hinauf gekommen.

Hinauf über den steilen Firnrücken. ©wusaonthemountain

 

 

…der oben dann wieder flacher wurde. ©wusaonthemountain

 

Anstehen und genau schauen.©Franz Öbster

Nervenkitzel ist es jedes Mal. ©Franz Öbster

Wenn es den Wu hält, dann wohl auch mich. ©Franz Öbster

Als wir das Plateau erreichten, nahm der Wind stark zu – jedoch verflogen so auch die Wolken und machten Platz für die Sonne.

Da hinten kann man schon den Gipfel erkennen. ©wusaonthemountain

Auf dem flachen Plateau mussten wir in einem weiten Rechtsbogen zum Gipfel des Ortlers. Der Wind setzte uns etwas zu, machte aber Platz am Gipfel – denn die Bergsteiger hielten sich jeweils nur kurz am Kreuz im Wind auf.

Bergschrund kurz vorm Gipfel. ©wusaonthemountain

Gut das der Typ dem Wu aus dem Weg geht. Unser „überdenspaltenunserseilmehrfachkreuzen“-Typ ©wusaonthemountain

Dann ging es den schmalen Grat hinüber zum Gipfelkreuz des Ortlers – den wir nur mit zwei weiteren Bergsteigern teilten. Was für ein Wahnsinn: Das Gipfelkreuz, der Gipfel, die Aussicht, der Berg, die Tour und die Tatsache, das wir den Speedrekord wohl nicht geknackt hatten.

Gipfel Ortler (3905m) am 14.07.2015 ©wusaonthemountain

Gipfel Ortler (3905m) am 14.07.2015 ©wusaonthemountain

Gipfel Ortler (3905m) am 14.07.2015 ©wusaonthemountain

Ausstieg des Ortler Hintergrat ©wusaonthemountain

Nach ein paar Minuten machten auch wir uns wieder an den Abstieg, raus aus dem Wind. Den Abstieg machten wir auch über den Normalweg und folgten daher unserer Aufstiegsspur.

Raus aus dem Wind – schön war es am Gipfel. ©wusaonthemountain

Abstiegsfreuden…Gipfel geschafft! ©wusaonthemountain

Schon ziemlich groß die Spalte ©wusaonthemountain

Ohne Worte ©wusaonthemountain

Inzwischen war der Schnee schon etwas durchnässt und jede überwundene Spalte, gab ein besseres Gefühl, bald wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben. Noch immer stiegen viele Gipfelaspiranten hinauf – für unseren Geschmack etwas zu spät. Nachdem wir auch durch das Bärenloch abgestiegen sind, legten wir glücklich die Gletscherausrüstung ab. Dann ging es weiter über den Felsgrat in Richtung Payer-Hütte. Andere Ausblicke als Bergauf bekommt man hier beschert und einen kleinen Stau bei der Abseilstelle.

Abstieg über den Grat ©wusaonthemountain

Abstieg über den Grat ©wusaonthemountain

Alles in allem kamen wir aber flüssig voran und erreichten die Paye-Hütte gesund und munter.

Der ganze Grat den man bewältigen muss. ©wusaonthemountain

Ab dann waren alle technischen Schwierigkeiten vorbei und wir konnten bequem zur Tabaretta-Hütte absteigen. Auf der gemütlichen Terrasse gab es dann auch erst einmal gutes Essen und reichlich zu Trinken. Für den finalen Abstieg zurück zur Kirche in Sulden, hatten wir nur noch rund 700HM – die waren dann auch schnell gemacht. Zurück an der Kirche, schalteten wir unsere Uhren aus. Gut, für den Speedrekord von Marco de Gasperi (02:36Std.) hat es nicht ganz gereicht – trotzdem war es ein erfüllender Tag mit 2300HM und 20KM Wegstrecke, sowie vielen faszinierenden Eindrücken. Der Ortler bleibt der Ortler – und ist egal über welchen Aufstieg immer eine Besteigung wert. Wu hat damit nun zwei der vier Aufstiegswege auf den Ortler.

Hinkelstein – waren Asterix und Obelix auch schon hier? ©wusaonthemountain

Unterhalb der Payer-Hütte ©wusaonthemountain

Hier ging es heute morgen noch im Dunklen rauf ©wusaonthemountain

Jetzt knallt die Sonne vom Himmel und heizt uns ein ©wusaonthemountain

Nadelwald kurz oberhalb Sulden ©wusaonthemountain

Für den kommenden Tag wäre eigentlich noch mal Ruhe angesagt gewesen – aber da wir die Füße nicht still halten können, planten wir eine ruhigere Tour auf den Großen Angelus von Sulden aus. Mehr dazu aber im nächsten Bericht!
Wer es etwas ruhiger angehen lassen will und eine Nächtigung am Berg vorzieht, für den haben wir einen ganz informativen Bericht im Bergzeit Magazin gefunden. Einfach hier folgen.