Parkplatz in Melag – noch ist der leer! ©wusaonthemountain.at
Das Auto ist voll,  das Gepäck reicht vermutlich wieder für die nächsten vier Wochen. Wir luden Franz ein und starteten in unseren diesjährigen Bergurlaub, der eigentlich nur aus maximal 10 Tagen bestand, aber mit Plänen für die kommenden Monate gespickt war. Also ging es über den Reschenpass nach Melag im Langtauferer Tal – kurz gesagt in den wunderschönen Talschluss. Dort stellten wir das Auto ab und zogen los zur Weißkugelhütte.
Am Freitag (10.07.) kamen wir dort nach 700HM an, unser Stützpunkt für die kommenden zwei Tage. Wer hier eine große Hütte oder dergleichen erwartet, der wird enttäuscht. Denn hier auf der Weißkugel ist alles sympathisch persönlich und klein, aber fein. Mit nur 50 Schlafplätzen, Zimmer gibt es hier keine, haben eben auch kaum Personen Platz. Die große Masse bleibt hier aus. Dafür serviert die Hüttenwirtin noch persönlich mit einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen. Kulinarisch ist die Hütte einfach der Wahnsinn – zum Abendessen gab es vier Gänge, einer besser als der andere und das Frühstück ist so reichhaltig, das man auch gleich zum Brunch bleiben könnte. Wir gingen recht früh schlafen, auch weil die Frühstückszeiten ziemlich früh waren.

Weißkugel (3739m)-Überschreitung: Aufstieg über die Ostwand und Abstieg über den Normalweg

Woran man erkennt, dass man im Bergurlaub steckt? Der Wecker auf dem Handy klingelt noch früher als sonst. Um 04:30Uhr wurden wir vom Rascheln der anderen Bergsteiger geweckt. Frühstück ist fertig, wir bekamen alles was wir uns wünschten. Samstagfrüh (11.07.) und nur mit drei weiteren, machten wir uns fertig für die Weißkugel. Die meisten Gipfelaspiranten gehen von der Schöne Aussicht Hütte, wir hingegen wollten lieber die längere Tour. Also zogen wir um kurz nach 05:00 Uhr los. Zunächst hinunter zu den Ausläufen des Langtauferer Ferner, um dann auf der Gletscherzunge hinauf zu steigen.

Morgenstimmung …©wusaonthemountain

Die ersten Meter ging es noch flach…©wusaonthemountain

 

Nicht wirklich steil, aber trotzdem stetig steigend. Etwas oberhalb des Vernagl Eisbruchs wurde es dann auch Zeit für die gesamte Gletscherausrüstung, denn ein paar Spalten zogen sich entlang der Aufstiegsroute. Wie immer hat uns Wu gekonnt geführt. Dann ging es am Fuße der Langtauferer Spitze weiter hinauf zur Einsattlung des Weißkugeljochs.

Bald wurde es Zeit zum anseilen. ©wusaonthemountain

Dann ging es endlich über den Gletscher hinauf zum Weißkugeljoch. ©wusaonthemountain

Dann ging es endlich über den Gletscher hinauf zum Weißkugeljoch ©wusaonthemountain

Rechts davon machten wir uns fertig für die Begehung der Ostwand, die derzeit perfekte Bedingungen bot. Wu stieg vor, wir hinterher.

Einstieg in die Ostwand… ©wusaonthemountain

Die im Schnitt 45° steile Ostwand überwanden wir zügig und stiegen oben im Fels, knapp unterhalb des Gipfels, aus.

Fotos in der Ostwand. ©wusaonthemountain

…müssen auch sein. ©wusaonthemountain

Dann ging es mit knappen 10 Schritten direkt auf den Gipfel der Weißkugel (3739m) – den wir doch tatsächlich für uns alleine, in diesem Moment, hatten. Wir waren die ersten an diesem Tag am Gipfel, sahen weiter unten über den Normalweg allerdings schon die Kolonnen hinaufpilgern.

Gipfel Weißkugel (3739m) am 11.07.2015. ©wusaonthemountain

Jausenplatz auf der Weißkugel …©wusaonthemountain

Ein Bergführer mit drei Damen hatte sichtlich Spaß beim Aufstieg, wir machten Platz am Gipfel und aßen etwas unterhalb von diesem. Dann ging es für uns über den Südgrat hinunter und in Richtung Hintereisjoch.

Rückblick zum Gipfelgrat der Weißkugel ©wusaonthemountain

Franz ist schon weiter vorne. ©wusaonthemountain

Abstiegsfreuden…©wusaonthemountain

Wir bogen dann allerdings ab, um unterhalb der Weißkugel zurück zum Weißkugeljoch zu queren.

Gleich beim Weißkugeljoch..©wusaonthemountain

Der Westgrat der Langtauferer Spitze wartet schon! ©wusaonthemountain.at
Ein Urlaub der mit einem sonnigen Tag, als erste auf einem wunderschönen Gipfel beginnt, ist ein guter Tag. Und weil wir noch so früh dran waren, liebäugelten wir noch mit der Langtauferer Spitze. Der Westgrat rief nach uns.

Langtauferer Spitze (3529m) – Westgrat: ein perfekter Aufstieg auf einen noch perfekteren Gipfel

Die Langtauferer Spitze steht irgendwie ein bisschen im Schatten der Weißkugel. Uns blieb der Westgrat aber trotzdem nicht versteckt und weckte in uns die Lust, diesen gleich einmal zu erkunden. Also ging es nach unserem Abstieg von der Weißkugel, direkt zum Einstieg des Westgrat. Dieser liegt derzeit zum Teil frei und zum Teil noch unter einer Schneedecke. Die ersten Meter ging es durch bereits sulzigen Schnee, bis wir einen guten Einstieg auf den Fels des Westgrats fanden.
Am Weißkugeljoch …©wusaonthemountain.at
Über den ging es die nächsten Meter in luftiger Höhe und zum Teil etwas lose. Trotzdem konzentriert gut gehbar. Dann kam das erste Schneefeld, dann wieder Felsgrat. Wir arbeiteten uns vor, am kurzen Seil.
Von da kommen wir her -Weißkugel Ostwand und unser Westgrat im Rückblick! ©wusaonthemountain.at
Schnee und Fels wechselten sich ab! ©wusaonthemountain.at
Bald am Gipfel…©wusaonthemountain.at
Ausstieg Westgrat Langtauferer Spitze ©wusaonthemountain.at
Hier und da wurde mir nämlich schon ein bisschen mulmig, den auf beiden Seiten ging es nicht minder steil hinab. Die letzten Meter am Grat ging es dann nur noch steil rauf, mit leichten Kletterstellen im II.-Bereich kurz unterhalb des Gipfels. Als wir den erreichten, waren wir mehr als positiv überrascht.
Gipfel Langtauferer Spitze (3529m) am 11.07.2015 ©wusaonthemountain.at
Zu unrecht ist dieser Gipfel so wenig bestiegen und schon gar nicht darf er im Schatten der Weißkugel stehen. Positiver Nebeneffekt des Schatten ist natürlich, dass wir diesen Gipfel komplett für uns alleine hatten und vermutlich auch haben würden in der kommenden Zeit. Jedem der die Kraft und Zeit hat, würden wir aber immer die Kombination empfehlen. Dieser Gipfel ist etwas wilder und aufregender als der der Weißkugel, unerwartet toll. Nach einer kurzen Rast ging es dann auch über den Westgrat retour zum Weißkugeljoch.
Die Langtauferer Spitze und der Westgrat im Rückblick ©wusaonthemountain.at
Die ist aber süß……©wusaonthemountain.at
Wu erklärt uns die richtige Vorgehensweise am Gletscher …©wusaonthemountain.at
Der Abstieg zur Weißkugelhütte ging vor allem im Gletscher-Bereich zügig. Auf der Gletscherzunge wurde es dann etwas mühsam, vor allem auch auf Grund des Gegenanstiegs zur Weißkugelhütte und der ziemlich heißen Temperaturen.

Gegenanstieg zur Weißkugelhütte ©wusaonthemountain.at

Aber auch das war irgendwann geschafft und nach einem ersten erfolgreichen Urlaubstag, schmeckten Skiwasser, Cola und Apfelsaft gespritzt ganz wunderbar. Insgesamt haben wir 1800HM gemacht.