Hinter uns gehts ganz schön runter.

Ein sonniger und warmer Badetag sollte es werden, haben sie gesagt. Geht baden, haben sie gesagt. Wir fahren mit unseren etwas größeren Rucksäcken ins Gasteinertal, für eine etwas längere und sehr einsame Tour. Wir stellen uns auf einen langen Tag ein. Auf  Höhe von Dorfgastein, suchen wir die Sonne am Himmel vergebens. Wir finden Regentropfen, aber nicht einen Gipfel. Na super und als wir dann Bad Gastein erreichen, entschließen wir uns für eine Planänderung. Spontan und unvorbereitet. Dann machen wir eben den Graukogel, schauen vorher aber noch am Reedsee und der Palfnerscharte vorbei. Parken müssen wir trotzdem im Kötschachtal – alles wirkt wie unbelebt und trotzdem ist hier schon was los. Aber klar, Baden will heute keiner nirgendwo.

Langes Tal und ziemlich steiler Aufstieg zum Reedsee

Wir parken am Parkplatz Grüner Baum. Das ist ein Hotel hier im Kötschachtal und aktuell sind wir uns nicht sicher, ob es offen hat? Es wirkt alles etwas verlassen und trotzdem ist schon einiges los hier. Komisch. Wir gehen dem Talende entgegen – rund vier Kilometer, bevor wir dann recht zum Reedsee-Aufstieg abbiegen. Eine kleine Brücke überqueren wir und dann geht es über wunderbare Trails erst einmal noch flach weiter hinein. Ein Treppentraining folgt – gefühlt bis zum Reedsee gibt es nur Stufen. Steile Stufen, wunderschöne Stufen, aber Stufen. Steil heißt hier wirklich steil. Wunderbar. Wir ziehen uns hoch, die Beine glühen obwohl es ziemlich kalt und frisch ist. Das Wetter wird schlechter. Es nieselt bereits. Wu schafft es bei einem „Ausrutscher“ seinen Stecken zu zerstören, aber wer braucht auch schon Stecken bei diesem Vertical?

Oben raus wird auch der Boden nass und wir duschen regelmäßig unsere Füße im Matsch. Am Reedsee sind wir fast alleine. Nur drei weitere Wanderer sind unterwegs. Es ist mystisch hier am Reedsee: dunkel, nass und ruhig. Der Regen wird mehr und wir überlegen ernsthaft zurück zu gehen. Irgendwie sind wir aber doch hart im Nehmen und glauben noch an den Wetterbericht – der hat ja immerhin Badewetter versprochen.

Nasskalte Palfnerscharte und die Umrundung des Graukogel

Vom Reedsee steigt man steil weiter nach oben. Dann kurz hinab um wieder steil nach oben zu steigen. Hier ist man einsam und wirklich irgendwo im Nirgendwo. Der Aufstieg zur Palfnerscharte zieht sich auch etwas, auch wenn es wirklich ziemlich schön ist. Zu unserer rechten Seite sehen wir bereits den Graukogel und als wir oben auf der Palfnerscharte ankommen zieht der Wind und die Wolken genau in den Gipfel hinein. Wir überlegen kurz ob wir den „Andreasweg“ auf den Graukogel gehen sollen, direkt am Grat entlang.

Aber Wind, Wetter und ein fehlender Rucksack für Luke, nehmen uns die Entscheidung ab. Wir steigen hinunter, gehen zur Graukogelhütte und umrunden so wenigstens den Graukogel. Es bleibt weiterhin kalt und nass, aber die Wanderer werden mehr. Ganz klar, denn hier an der Graukogelhütte wurde ein großes Paradies geschaffen.

Echt jetzt? Rauf auf den Graukogel bei Wind und Wetter.

Wir wären nicht wir, wenn es uns nicht in den Fingern jucken würde. Gerade ist es trocken und der Gipfel schaut raus. wir wagen es und biegen recht ab. Rauf in Richtung Graukogel (2492m) und Hüttenkogel. einige Serpentinen, Kühe liegen mit Ihren Kälbern auf dem Weg. Niedlich. Wu macht mit Luke trotzdem einen großen Bogen und nimmt den direkten Weg. Wir treffen uns an der finalen Abzweigung zum Graukogel. Und mit unserem Treffen trifft auch wieder der Regen und der Wind ein. Der Anstieg wird deutlich felsiger, und rutschiger. Oben dann sogar ziemlich schmal. Ausrutschen ist hier Mist. Nur Luke steht wieder als erstes am Gipfel. Genau da ist auch Vorsicht geboten, denn der Gipfel auf 2492 Meter Höhe ist schmal und abschüssig. Wir lassen Luke zur Sicherheit weiter unten sitzen, machen nur schnell ein paar Bilder und rauschen ab. Es ist kalt.

Zum Abschluss noch der Hüttenkogel und ein Downhill über Skipisten

Auf dem Rückweg nehmen wir noch schnell den Hüttenkogel mit. Dort ist der Ausblick schön, aber der Geruch nicht. Hier wird wohl mächtig viel am Gipfel einfach gepinkelt. Daher machen wir uns auch hier direkt wieder auf den Weg, auch weil unser knurrender Magen weiter nach unten treibt. Wir stürmen die Graukogelhütte und dinieren köstlich. Extrem gutes Essen könnt Ihr hier oben erwarten, eine echte Empfehlung seit langem mal wieder. Unsere Muskeln werden so richtig kalt und nach dem Essen fällt uns das weglaufen sehr schwer. Es ist auch nicht gerade unsteil – meistens nehmen wir die direkte über die Skipisten oder unterhalb der Lifttrasse. Unten raus müssen wir die Straße noch mal kurz zum Parkplatz zurück nehmen und kommen nach 23 Kilometern und 1950 Höhenmetern wieder am Auto an. Ein ausgefüllter Badetag, also quasi. Natürlich hätten wir gerne unsere ursprünglich geplante Tour gemacht, sind aber mit der Alternative auch mehr als glücklich. Schön war´s.