Als wir beschlossen am vergangenen Freitag (05.08.) erst um 10:00 am Morgen zu fahren, lagen wir irgendwie ziemlich richtig, denn es regnete aus Kübeln – hier im Pongau und auch in Melag im Langtauferertal in Südtirol. Und Melag sollte der Ausgangsort unseres AV Werfen Hochtourenwochenendes auf der Weißkugelhütte sein und diesen erreichten wir mit richtig viel Verspätung. Urlaubszeit und österreichische Autobahnen sind keine gute Kombination und so stauten wir uns nach Melag. Und noch nie in meiner bisherigen Bergzeit, bin ich in voller Regenausrüstung und mit Regenschirm auf eine Hütte gegangen. Das muss schon wahnsinnig amüsant ausgesehen haben, als sich unsere Gruppe, bestehend aus 14 Personen, mit Regenschirmen zur Hütte durch den Regen und Schnee aufgemacht hat. Zunächst recht flach, ab der Melager Alm ging es dann in einigen Serpentinen steil hinauf. Ausblicke hatten wir keine, dafür aber nasse Füße. Je höher wir kamen umso deutlicher wurde, dass es doch einiges an Neuschnee innerhalb der letzten 30 Stunden gemacht haben musste. Kurz unterhalb der Hütte, ging der Regen in Schnee über und es kühlte markant ab. Die Hüttenleute waren neu, nicht die, die Wu, Franz und mich im letzten Jahr empfangen hatten, aber der Brauch mit dem Begrüßungsschnapps war geblieben. Wir bezogen unser Lager, auch das war das gleiche zum Vorjahr und bekamen ein vorzügliches Abendessen, vier Gänge.

Die Weißseespitze (3526m) ist schon schön, wenn man sie sehen würde

Auf Grund der Witterung entschieden wir uns am Samstag die Weißseespitze (3526m) über den Richtersteig zu gehen. Außerdem zogen wir erst um 08:00 Uhr los und für einen kurzen Moment sah es sogar danach aus, dass es ein schöner Tag werden würde. Wir versammelten uns und zogen gleich hinter der Kapelle auf den Richtersteig los, dieser führt langfristig zum Brandenburger Haus. Wir hatten bereits eine kleine Schneeauflage, die sich deutlich vergrößerte als wir Tal einwärts am Südhang oberhalb der Ausläufer des Langtauferer Ferners in östlicher Richtung gingen. Simon spurte vorne zum Teil 30cm tief und am Einstieg in den ausgesetzten Teil des Steigs, der Seilversichert ist, zogen wir uns bereits unsere Gurte an. Der Steig wurde auf Grund des Schnees anspruchsvoller als gedacht, war aber trotzdem sehr gut machbar. Wir erreichten den Eisbruch, stiegen aus dem Steig aus waren positiv gestimmt – denn es schien tatsächlich wolkenlos zu werden. Wir bildeten unsere Seilschaften, ich bildete eine 5er-Seilschaft und durfte damit das erste Mal nach meiner Übungsleiter Hochtouren-Ausbildung ganz offiziell meiner Aufgabe nachkommen. Im flachen Becken des Gepatschferners stiegen wir dann über die steile erste Rampe hinauf – wir hatten guten Trittschnee. Oben angekommen wurde es allerdings spaltig – durch den Neuschnee waren die leider auch etwas schlechter sichtbar. Und irgendwie zog es dann zu statt auf und wir fanden uns in einem totalen White-Out wider. Simon führte und navigierte uns alle souverän über den Gepatschferner, wir konnten dann die Spur des Bergführers vor uns nutzen. Leider, leider gab es wirklich nichts zu sehen, nicht einmal die Hand von einem selbst zwei Meter weiter. Damit wurde der Irrlauf auf die Weißseespitze schon noch einmal extrem lang, gefühlt, weil man einfach nichts sehen konnte. Aber wir fanden ihn, den Gipfel und mit ihm auch unangenehmen Wind. Daher gab es nur einen kurzen Aufenthalt am Kreuz und die Vorstellungskraft musste für den perfekten Rundumblick reichen. Wir machten uns an den Abstieg im Blindflug, orientierten uns nur an unserer Aufstiegsspur und fanden zurück. Ab der Flanke hinunter zum Richtersteig wurde das Wetter zwar nicht besser, allerdings hatten wir wieder Sicht. Zurück auf der Hütte plünderten wir das Kuchenbüffet und ließen den nicht ganz perfekten Tag ausklingen. Ich führte noch ein kurzes Wetter-Telefonat mit Wu, der zu Hause geblieben war und fragte nach der Prognose für den nächsten Tag.

Der dritthöchste Berg Österreichs heißt Weißkugel (3738m)

Den Sonntag starteten wir ziemlich früh, sehr früh. Um 04:30 gab es bereits Frühstück und um 05:10 Uhr machten wir uns schon auf den Weg zur Weißkugel. Ich wusste ja bereits, dass es ein langer Tag werden würde, aber trotzdem hatte ich vergessen, wie lang man eigentlich wirklich schon auf der Gletscherzunge geht, bis man zum Anseilplatz kommt. Aber die Sonne schien vom Himmel und als wir wieder unsere drei Seilschaften bildeten waren wir guter Wetterdinge. Also gingen wir Schritt um Schritt Simon nach, der brav vorne weg spurte. Über den Langtaufererferner kommt das Gipfelkreuz der Weißkugel recht früh schon zum Vorschein, aber der Weg ist immer noch sehr lang. Über die Ostflanke ging es rauf und dann über den Gipfelgrat hinauf zum Kreuz. Die Sonne schien, aber der Wind sorgte für mächtigen Wirbelwind. Etwas ungut und störend, aber trotzdem wieder ein genialer Gipfel. Wir stiegen über den Südgrat ab und machten eine erste richtige Pause an einem windgeschützten Plätzchen unterhalb des Südgrats. Über den Normalweg stiegen wir dann weiter ab, zwei Steilstufen mussten wir dazu absteigen. Leider konnte ich es nicht so richtig „laufen“ lassen – bin nämlich schon wieder zwei Mal richtig umgeknickt und das wollte ich ein drittes Mal vermeiden. Über das Hintereisjoch hinab und zum Weißkugeljoch hinauf und über den Langtaufererferner hinab, dabei mussten wir inzwischen einige große Löcher überqueren. Das brachte noch mal ein bisschen Spannung rein. Am Anseilplatz zurück, verpackten wir die Gletscherausrüstung und stürmten dann los zum finalen Gegenanstieg zur Weißkugelhütte. Die Köche hatten gut zu tun mit uns bevor wir dann zurück zu unseren Autos aufmachten und den Heimweg antraten.

Ein rund um gelungenes Hochtourenwochenende, dass wettertechnisch wirklich alles für uns bereit hielt. Wie die Tour auf die Weißseespitze war, müsst Ihr Euch halt einfach vorstellen oder könnt in diesem Bericht auch noch mal nachlesen. Danke an die tolle Truppe und das Vertrauen in mich.  Insgesamt haben wir an diesen 2,5 Tagen 3600 Höhenmeter im Aufstieg bewältigt.