Manchmal muss man kreativ werden um neues zu entdecken. Gut, so richtig kreativ war ich jetzt nicht. Aber ich habe mir einfach mal mein Tablet geschnappt und APE-Map geöffnet. Dann bin ich der Salzach Flussabwärts gefolgt und habe mir angeschaut was ich dort für Gipfel an den Seiten entdecke. Gestolpert bin ich dann über den Kleinen Göll und den Bärenstuhl, hoch über Golling. Gehört habe ich von den beiden Gipfeln bis jetzt noch gar nichts und ich vermute, es geht den meisten so. Ich habe mal schnell in den diversen Tourenportalen nachgelesen und tatsächlich etwas gefunden. Also stand der Plan für den Nationalfeiertag, an dem das Wetter schön werden sollte, fest. Allerdings sitze ich nur mit Luke im Auto in Richtung Gollinger Wasserfall, Wu ist leider krank.

Wald, ganz viel Wald auf dem Weg zum Bärenstuhl

Ich parke am Eintrittstor zum Gollinger Wasserfall. Es ist noch nichts los und ich kann direkt durch das Tor gehen. Ein paar Meter in Richtung Wasserfall, dann zweigt der Weg (465) nach links hinunter ab. Man überquert die Ausläufe des Wasserfalls und auf der anderen Seite geht es dann bergauf. Ein Stück über die Forststraße und dann rein in den Wald in Richtung Bärenstuhl, Kleiner Göll. Und zugleich wird es steil und die Serpentinen ziehen sich durch das Laub nach oben. Ich komme schon auf den ersten Metern mächtig ins schwitzen. Die Markierungen sind nicht mehr einwandfrei zu erkennen, der Weg an sich auch nicht immer ganz deutlich auszumachen. ich treffe noch zwei Mal auf die Forststraße, bevor mich der Wals vollkommen verschluckt. Es ist einsam hier und leise. Nur das Rauschen der Autobahn nehme ich wahr. Eigentlich grusel ich mich ein bisschen, so ganz alleine mitten im Wald. Je weiter ich nach oben komme, um so felsiger wird es. Hier und da muss ich ein bisschen Hand anlegen, um Luke über ein paar Blöcke im Steig zu tragen. Den Weg selber kann man aber nicht verfehlen, denn es gibt nur diesen einen und sonst nichts.

Irgendwann wird das Laub weniger und Nadeln zieren meinen Weg. Insgesamt wird es auch endlich etwas heller. Nur eins bleibt ein konstanter Begleiter auf dieser Tour: die Steilheit. Mit Luke mache ich kurz Rast bei der Jagdhütte Kleiner Göll, auch wenn ein Schild deutlich macht, dass das Aufhalten in der Hütte strengstens untersagt ist. Geht ja eh nicht, hängt ein dickes Schloss davor. Aber eine kleine Quelle findet man etwas oberhalb. Durch den Lärchenwald geht es weiter hinauf, bis ich eine Weggabelung erreiche. Östlich vom Kleinen Göll gehe ich zuerst in Richtung Bärenstuhl weiter. Eine Querung und dann über blockiges Gelände in einigen Minuten rauf auf den Gipfel Bärenstuhl mit 1712 Metern. Den haben wir heute ganz für uns alleine. Das Gipfelbuch bestätigt aber, dass sich immer mal wieder Leute hier oben einfinden.

Runter vom Bärenstuhl und rauf auf den Kleinen Göll

Luke und ich steigen wieder ab und gehen retour zur Abzweigung und starten dieses Mal noch ein Stück steiler hinauf auf den Kleinen Göll. Der Weg führt über einen felsigen Weg durch eine Menge Latschen. Der Weg ist unschwierig und bereits nach ein paar Minuten stehen wir am Gipfel. Leider gibt es hier kein Gipfelkreuz, aber ein kleines Wanderstempel-Kästchen, mit einer auf Papier gedruckten Tourenbeschreibung. Die ist schon ziemlich zerfetzt, aber einige haben ihren Gipfelsieg hier festgehalten. Ich bleibe einfach einen Moment dort sitzen, genieße die Aussicht, die ins Hagengebirge, aber auch bis nach Salzburg reicht. Schade dass es hier oben kein Gipfelkreuz gibt, dabei ist der Gipfel sogar 30 Meter höher als der Bärenstuhl. Vielleicht aber auch, weil er nicht so exponiert da steht.  Was mich zu der Frage bringt, warum einem ein Gipfel ohne Kreuz überhaupt komisch vorkommt bzw. man vielleicht das Gefühl hat, es ist gar kein „richtiger“ Gipfel?

Dann habe ich genug philosophiert und mache mich an den Abstieg. Der geht über den Aufstiegsweg und wieder treffe ich niemanden. Ich bin mit Luke hier vollkommen alleine. Fast unvorstellbar an einem so schönen Tag. Und ich fange mich wieder an zu gruseln.Erst zurück am Gollinger Wasserfall treffen wir auf eine Menge Menschen. Es ist die Hölle hier los und der Parkplatz gleicht einem Kriegsplatz. Ich mache mich mit Luke schnell vom Acker. 1400 Höhenmeter habe ich gemacht und knapp 10 Kilometer – davon sind mindestens 1000 Höhenmeter extrem steil gewesen. Generell ist diese Tour etwas für Leute die Ruhe suchen und Einsamkeit. Leider hat man erst auf den letzten Metern einen tollen Ausblick, der dichte Wald bietet zunächst nicht so viel Abwechslung. Mehr Touren im Hagengebirge findet Ihr hier.