Es gibt sie, diese Touren, die einem ins Auge fallen. Von denen man nicht weiß, ob sie überhaupt so funktionieren, wie man sie sich vorstellt, aber die einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Genau so ging es mir, als ich zuletzt mit Luke am Gamskarkogel im Großarltal stand. Das ist jetzt glaube ich drei Wochen her. Ich stand ganz alleine dort oben im Schnee und schaute in die Ferne. Also nicht ganz so fern, eher in die nähere Ferne. Es ergab sich für mich eine schöne Linie in Verlängerung des Gamskarkogels – die sollte doch machbar sein. Ich fahre nach Hause und erzähle Wu davon.

Er weiß zwar was ich mir da vorstelle, findet aber genau so wenig wie ich eingezeichnete Wege oder etwas, dass auch nur annähernd danach aussieht in sämtlichen Kartenmaterial. Ich will es trotzdem zu einer Runde zusammenbauen und Wu verspricht mir, dass wir es probieren werden. Und dann war er da, der perfekte Herbsttag am vergangenen Sonntag (15.10.) – ok, vielleicht nicht die beste Idee direkt nach einem anstrengenden Wettkampf, aber wer kann da schon die Füße still halten?

Parkplatz auf dem Bauernhof – im Großarltal sind sie gelassen

Zunächst wollen wir auf die Bachalm. Einen Parkplatz gibt es auch. Der ist ausgeschildert und ausgewiesen auf einem kleinen Bauernhof. Wir sind etwas ungläubig, fahren auf den Hof und fragen den Bauern, ob wir wirklich dort stehen dürfen. Dürfen wir. Und machen uns auf den Weg. Ein Wegweiser führt uns direkt in den Wald hinein, durch den wir recht steil aufsteigen. Ganz ein herrlicher Aufstieg, der auf der Forststraße zur Bachalm endet. Ein ziemlich langes Stück gehen wir über diese in den Graben hinein. Dann treffen wir auf zwei Abkürzungen, die wir zur Bachalm nutzen können. Dieses Großarltal ist schon ganz wunderbar. Beim Rückblick sehen wir auf der gegenüberliegenden Seite schon die nächsten Ziele.

Aber erst einmal zurück zur Bachalm, die wir inzwischen hinter uns lassen. Ab jetzt steigen wir über einen mäßig steilen, aber ziemlich tollen Weg nach oben ins Frauenkar. Dabei kommen wir an vielen Lacken vorbei und treffen auf einiges an Schnee. Wu entscheidet sich für die trockene Variante, ich spure durch den Schnee nach oben zum Grat des Frauenkogels. Die letzten Meter zum Gipfel gehen wir gemeinsam. Hier treffen wir auch auf die ersten Personen des Tages. Den Gipfel säumt ein tolles Kreuz mit einem Edelweiß eingearbeitet – der Ausblick ist zum Niederknien. Und wir sehen unseren langen Weg, den wir heute noch gehen werden.

Am Gamskarkogel sind keine Gämsen, aber jede Menge Zweibeiner

Vom Frauenkogel (2424m) traversiert man über den Gart hinüber zum Gamskarkogel. Nicht unbedingt schwer, aber wunderschön. So einsam wir bis jetzt waren, umso voller wird es am Gipfel des Gamskarkogels (2467m). Heute ist einer der letzten Tage, an dem die Hütte bewirtschaftet ist. Bei so einem traumhaften Wetter, aber auch vollkommen klar.  Gämse sehen wir leider keine. Es ist windstill und wir sitzen in der Sonne und genießen schnell etwas zu trinken. Am Gipfelkreuz gehen wir vorbei und starten über den Normalweg runter zur Toferscharte. Es ist erwartungsgemäß voll am Steig. Und ab der Toferscharte betreten wir unbekanntes Terrain. Ab hier ist kein Weg mehr eingezeichnet, auf keiner Karte.

 

Aber natürlich sind wir nicht die ersten die auf die Idee kamen und man findet einen schmalen Weg hinauf auf den Finsterkopf. Ein paar Minuten später stehen wir auf dem Gipfelkreuz-losen höchsten Punkt des Finsterkopf (2152m). Jetzt ist der Weg nicht mehr ganz so gut zu erkennen. Hier gehen dann doch deutlich weniger Leute. Weiter geht es auf das Throneck (2214m). Der Grat wird stellenweise schon sehr schmal, steile Grasflanken führen ins Tal. Am Gipfel finden wir ein kleines Kreuz, es ist umgefallen. Wir stellen es für das Foto wieder auf.

Der Kreuzkogel und ein abenteuerlicher Abstieg

Die Runde ist noch nicht zu Ende und wir schieben unsere müden Knochen am Grat entlang immer weiter. Runter vom Throneck ist es gar nicht mal so unsteil. Aufpassen wo man hin tritt sollte man auf jeden Fall. Und dann steigen wir Schritt um Schritt hinauf zum Kreuzkogel (2325m). Die heutigen 2000 Höhenmeter in den Beinen merken wir schon. Am Gipfel genießen wir eine Zeit lang die Sonne, den Herbst und die Fernsicht. Gigantisch dieser heutige Tag. Wir steigen runter in die Scharte zwischen Kreuzkogel und Arappkopf. Über diese Scharte wollen wir absteigen in das Tofertal zur Harbachalm. Allerdings ist hier kein Weg eingezeichnet und wir müssen uns einen Weg suchen. Die Kühe haben hier oben wahre Arbeit geleistet, die Löcher im Boden sind gigantisch.

An Laufen ist hier nicht zu denken. Irgendwann stehen wir mitten in Schwarzbeersträuchern – weglos. Immer wieder versuchen wir über die Handy-App vielleicht auf uralte Steige zu treffen. Es ist etwas eingezeichnet im Wald, auf diesen alten Steig müssen wir treffen. Schaffen wir dann auch, nachdem wir vorher irgendwie querfeldein gehatscht sind. Die Forststraße hinunter zur Harbachalm erwischen wir auch.

Die nächste Herausforderung wird die Querung zurück zum Parkplatz – ohne dabei erst einmal zurück ins Tal und dann unten an der Straße die vielen Kilometer zurück zu laufen. Ein kurzes Stück Forststraße runter, dann folgen wir einem Güterweg rüber. Dieser endet in einem Graben, der sehr Fels-durchsetzt ist. Es soll hier einen alten Steig (wird fast nie begangen) geben. Wir stehen allerdings in einem sehr dichten Labyrinth aus Bäumen. Steig, Weg, Pfad ist keiner in Sicht, dafür fangen wir an uns zu gruseln. Wir erahnen einen Weg und folgen diesem noch dichter in den Wald. Immer wieder fragen wir uns, ob wir hier jemals wieder raus kommen.

Und dann treffen wir tatsächlich wieder auf einen ziemlich matschigen Weg, der auf eine Wiese führt. Geschafft. Wir sind richtig. Immer weiter queren wir zurück zum Parkplatz und sparen uns lästige Meter an der Straße entlang. Wir machen unsere Uhren aus als wir am Auto ankommen.  2100 Höhenmeter, 25 Kilometer und ein gigantischer Herbsttag liegen hinter uns. Eine herrschaftliche Runde mit abenteuerlichen Abstieg.

 

Diese Runde werden wir bei unserem Run with Wusaonthemountain(s) laufen, vielleicht noch etwas adaptiert, weil der Abstieg wirklich unlaufbar war.