Schwarzachtrail Salzburgerland

Müde – körperlich und mental. Der Regen hilft mir gerade nicht viel, der seit zwei Stunden auf mich hinabprasselt. Nass bin ich bis auf die Unterhose, die Matsche wandert an mir herauf und die Schuhe werden schwer. Es sind die Momente bei denen ich mich frage, warum ich das eigentlich tue. Warum komme ich immer wieder auf die Idee, knapp 50 Kilometer durch die Berge zu laufen, bei Regen und auch sonst nicht leichten Bedingungen. Ich könnte ja auch einfach mal ausschlafen, auf dem Sofa liegen und einfach nur chillen – nicht vom Muskelkater geplagt, nicht schlafen können. Aber ich erwische mich eben auch dieses Jahr wieder als Läuferin beim Schwarzachtrail Salzburgerland – und bin nicht unglücklich über mein Finish, auch wenn es dieses Jahr ein bisschen härter erkämpft ist.

Warm werden – dafür brauche ich die ersten zwei Anstiege

Gemeinsam mit Tom und Silke sitze ich im Auto auf dem Weg nach Schwarzach. Hinter uns im Auto sind Steve und Sandra, während Christian bereits auf dem Weg zu seinem Fotopoint ist. Es verspricht ein schöner Tag zu werden, natürlich auch ein langer. Im Startbereich wuselt es bereits vor lauter bekannter Gesichter und wir kommen aus dem quatschen gar nicht mehr heraus. Für mich persönlich ist auch das immer ein wichtiger Teil – auf den ich mich freue. Dieses Jahr schaffe ich es mit quatschen sogar sehr weit nach vorne in den Startbereich – unbewusst und viel zu spät merke ich das erst beim Startschuss. Und dann laufe ich auch schon viel zu schnell los. Ein paar Meter über die Straße, raus aus Schwarzach hinauf nach St. Veit.

Zwischendrin haben wir bereits ein bisschen Trail und Schotterweg und ich komme ganz gut voran, obwohl der Bauch bereits zwickt. Die Sonne drückt heute und ich bin für meine Verhältnisse zu schnell. Merke das aber nicht wirklich und versuche auch in den extrem steilen Stücken im Wald mein Tempo zu halten. Es ist so steil, meine Beine schon blau. Die erste Verpflegungsstation kommt mir unterhalb der Kinderalm sehr gelegen. Ich trinke ausreichend und esse – ich weiß ja, was mich hinauf auf den Hochglocker erwartet. Gefühlt bin ich allerdings schon alleine unterwegs und bekomme Stress, dass ich vielleicht doch die Letzte sein könnte. Also halte ich an meinem Tempo fest und biege 100 Höhenmeter unter dem Hochglocker leider mal kurz links ab. Ich bin irgendwie überdreht und muss einiges aus meinem Magen los werden. Eigentlich eine Tatsache aufzuhören – aber ich fühle mich schlagartig besser. Am Hochglocker komme ich relativ fit an und flott.

Jetzt dann aber schnell zum Schneeberg

Der Downhill zur zweiten Verpflegungsstation des Schwarzachtrail Salzburgerland läuft flüssig. Und mir geht es gut, abseits der natürlichen Ermüdungserscheinungen. In Althaus esse und trinke ich wieder gut, der bevorstehende Anstieg auf den Schneeberg zieht sich nämlich. Er führt durch den Wald, auf genialen Trails. Die kann ich leider nur gehen, aber genieße es die meiste Zeit. Bis der Schnee kommt und jeden Schritt nach vorne mit zwei Schritten zurück belohnt. Habe ich meine Reserven eigentlich aufgefüllt? Ich weiß es nicht und merke wie die Kraft aus den Beinen schwindet. Aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, also stapfe und stapfe ich. Kurz unterhalb des Schneebergs treffe ich dann endlich auf Christian und Luke, die mich aus meinen Gedanken reißen und etwas Abwechslung bieten. Es ist schon unglaublich schön dort oben, aber es liegt auch noch ziemlich viel Schnee. Also schnappe ich mir kurz ein paar Bussis und liebe Worte und laufe weiter. Den grauen Wolken am Himmel schenke ich keine Aufmerksamkeit.

Hoch und runter – Hochegg und Gambskögerl

Die folgenden zwei Gipfel sind zwar keine Herausforderung in Bezug auf Höhenmeter, aber gestalten sich als widerspenstig. Der Schneetrail haält für mich nur noch zwei „Fahrspuren“ bereit und ich muss surfen was das Zeug hält. Ich rutsche immer wieder aus, sitze auf meinem Hosenboden und stapfe wieder rauf. Ich freue mich über die Ankunft am Hochegg genau so wie über das Gipfelkreuz des Gambskögerls. Und darüber das der Schnee kurz unterhalb des Gambskögerls auf dem Rückzug ist und ich damit auf dem Vorzug bin. Endlich kann ich wieder laufen und so etwas wie einen Flow in meinen Lauf.

Kurz unterhalb der Maiselsteinkapelle muss ich es mir dann allerdings eingestehen. Der Nieselregen ist inzwischen zu einem starken Regen heran gewachsen und meine dünne Windjacke vollkommen durchnässt. Und ich bin mitten drin, drin in der Sinnfrage: Warum ich gerade im starken Regen laufe und das vermutlich noch für weitere 16 Kilometer. Eine Antwort fällt mir nicht ein – dazu muss ich mich auf den völlig aufgeweichten Untergrund konzentrieren und komme dann zur nächsten Verpflegungsstation am Böndlsee an. Jetzt ist es ohnehin schon egal und laufe weiter, die letzten 13 Kilometer machen den Braten eben auch nicht mehr fett.

Durch Goldegg und ab ins Ziel des Schwarzachtrail Salzburgerland

Den Böndlsee lasse ich hinter mir und freue mich wenn ich auch den fiesen Aufstieg runter nach Goldegg auch hinter mir lassen kann. Ich muss gehen, rutsche in der Matsche immer wieder aus. Ein Schritt vor, zwei zurück – ich schmunzle inzwischen über die Tatsache, dass ich mich kaum fortbewege. Irgendwann wird es ja ein Ende nehmen. Im Downhill nach Goldegg komme ich wieder gut vorwärts und freue mich auf zwei bekannte Gesichter in Goldegg, Silke und Sandra warten dort auf mich und die letzten verbleibenden sechs Kilometer ins Ziel.Wir quatschen kurz und dann mache ich mich auf den Weg. auf und ab, auf und ab – es sind kurzweilige letzte sechs Kilometer hier beim Schwarzachtrail Salzburgerland.

Kurz vorm Ziel mag uns der Fredl aber trotzdem noch einmal ein bisschen ärgern, denn ich sehe mich gerade einigen Treppenstufen hinauf laufen, obwohl ich unter mir schon Fredl durch die Lautsprecher höre. Ein paar Treppenstufen zum Abschluss versüßen den Zieleinlauf, den ich sogar noch recht locker laufend schaffe. Und dann, als ich die Ziellinie überlaufe, fällt mir plötzlich der Sinn der Sache ein. Es sind diese Zieleinläufe und Freunde die auf einen warten – die es so lohnenswert machen. Auch wenn es unterwegs nicht immer alles toll ist, dann ist es spätestens im Ziel toll. Und der Stolz kommt auch. Dieses Mal war es aber besonders schön, dass Silke mir meine Medaille umhängen konnte. Das war für mich etwas besonderes.

Danke Fredl, dass Du es möglich machst, dass ich zur gleichen Zeit leiden und lachen kann und am Ende des Tages immer glücklich bin. Alle Informationen zur Anmeldung fürs nächste Jahr und die Ergebnisse von diesem Jahr gibt es hier. Und wir danken Steve, dass er in seinem Event-Video so viel von Familie Wurzer eingebaut hat! Danke auch für die herrlichen Sprüche, die Du da so los wirst.