Jedes Mal, aber auch wirklich jedes Mal schauen wir links rüber, wenn wir auf der A8 in Richtung Heimat fahren. Und jedes Mal schauen wir nach rechts wenn wir auf der A8 in Richtung Heimat fahren. Stimmt – wir sind zum einen in Österreich zu Hause, aber auch zu Teilen in Deutschland. Und der Berg, den wir jedes Mal anschauen, ist die Kampenwand in den Chiemgauer Alpen. Jedes Mal sagen wir, dass wir diesem Berg auch endlich mal einen Besuch abstatten müssen. Geschafft haben wir es bisher nie. Und dann flattert das neue Bergauf Magazin des ÖAV ins Haus und schreibt eine Tourenempfehlung aus, die Kampenwand-Runde.

Wir beide fühlen uns beim Lesen ziemlich motiviert für die Tour. Ein toller Grat soll es sein, der Ostgrat mit Kletterstellen im 1er-Grad und ein grandioser Steig mit Seilversicherungen im A/B-Bereich. Mit einem Bild der Kampenwand im Kopf, können wir es uns schon richtig gut vorstellen, sind freudig gespannt. Außerdem ist Start- und Endpunkt der Runde das ruhige Mühlau und damit sollten wir sicher vor dem Touristenansturm sein. Das werden wir machen, bei uns kann man ja derzeit nur durch Schnee stapfen. Den großen Rucksack für Luke nehmen wir auch mit, damit er am Grat sicher transportiert werden kann.

Von exakten Kilometern und Wegfindung

Wir geben die Ortschaft Mühlau ins Navigationsgerät ein. Es ist Samstag (23.09.) und wir kommen auf exakt 100 Kilometer Entfernung. Lustig. Die Grenze passieren wir flott und Mühlau finden wir auch zeitnah. Schön ist es dort auch. Den Parkplatz können wir nicht verfehlen. Den eigentlichen Aufstiegsweg irgendwie dann doch. Wurscht. Wir halten uns zunächst Richtung Hochplatte (ein schöner Berg) und folgen im unteren Bereich erst einmal längere Zeit einer Forststraße, bevor wir dann links auf den Weg 66 abbiegen. Ein ganz schmaler und vor allem steiler Steig durch den Wald. Erst dominiert der Laubwald, dann erreichen wir den Nadelwald und den Weg 64 und schließlich die Piesenauer Hochalm unterhalb der Hochplatte.

Ein ganz, ganz wunderbares Plätzchen. Ein paar Kühe stehen noch hier oben, ein paar Feuerchen nebeln die Luft etwas ein. Hier wird gerade aufgeräumt und gesäubert. Luke gefällt es und auch. Bisher haben wir eigentlich totale Einsamkeit genossen. Wahnsinn. Weiter geht es in Richtung Kampenwand. Wir überholen eine kleine Wandergruppe. Die ersten denen wir heute auf unserem Weg begegnen.

Haben wir den Einstieg zum Ostgrat der Kampenwand verpasst?

Wir kommen auf den Via Alpina und näheren uns auf zum Teil sehr matschigem Weg unserem Tagesziel. Während wir so gehen und gehen, kommt uns die Tourenbeschreibung wieder in den Kopf. Also wenn wir auf unsere Uhr schauen, dann haben wir eigentlich nur noch 100 Höhenmeter und irgendwie müsste doch bald einmal der Grat anfangen. Haben wir irgendwo den Einstieg verpasst? Wir gehen weiter, vertrauen darauf, dass sicherlich bald der Einstieg kommt. Der Steig wird steiler, matschiger, etwas felsiger. Aber unproblematisch. Dann erreichen wir die Abzweigung zur Steinlingalm und tatsächlich das Schild, dass uns den Weg zum Ostgrat anzeigt. Gleichzeitig sehen wir allerdings schon den Gipfel und eine Menge Menschen, die dort oben stehen.

Uns dämmert langsam, dass der Aufwand und die Schwierigkeiten doch eher ziemlich gering sind und vor allem nicht von langer Dauer sein können. Wir sind ja quasi schon oben. Ein Pärchen fragt uns zögerlich, ob die eine Kletterstelle für den Hund keine Probleme darstellen würde? Eine Kletterstelle? Wirklich nur eine? Und unser Steig ist inzwischen noch etwas steiler geworden und felsiger. Aber im Grunde genommen ein Steig, sehr einfach und ganz normal zu gehen. Den großen Rucksack für Luke hätten wir uns sicher sparen können. Egal, die Tour bis jetzt war sehr schön.

Und dann steht man auf der Touristenhochburg

Und dann erreichen wir endlich den Einstieg zur Seilversicherten Passage. Nun ja. Luke ist bereits drüber und wir steigen auch normal auf. Und dann ist das erste kurze Stück schon wieder vorbei. Dann erreichen wir die eigentliche „Schlüsselstelle“. Luke kommt fast selbstständig voran. Nur einmal heben wir in in seinem Geschirr an. Und nach zwei Minuten ist der Spaß vorbei. Wir stehen oben, also ganz oben auf der Kampenwand. Es ist laut hier oben, um uns herum rund 40 Personen, noch mal 50-60 Personen schieben sich unten von der Bahn aus kommend hinterher. So ruhig es bisher war, so voll ist es jetzt. Wir stehen auf der Chiemgauer Touristenhochburg, aber es möchte eben jeder etwas von diesem sehr schönen Plätzchen erhaschen.

 

Wir steigen schnell ab, stehen immer wieder kurz an, an den „schwierigen“ Passagen. Der Normalweg ist überfüllt. Das, was diesen Berg wirklich gefährlich macht, ist wohl der total speckige Fels. Unten von der Alm ertönt das Signalhorn des Bergwachtautos. Schnell, schnell weiter. Wir schummeln uns durch die Wanderer durch und erreichen die Sonnalm. Eine große Alm, die mit Berg-Idylle nicht viel gemein hat, aber es duftet gut und die Terrasse ist voll. Wir finden ein Plätzchen und bestellen etwas zum essen. Das ist zwar lecker, aber einfach nur teuer im Vergleich zu Portionsgrößen. Anschließend machen wir uns an den Weiterweg zurück nach Mühlau. Dazu nehmen wir die Abzweigung etwas oberhalb der Sonnalm in Richtung Steinbergalm. Nur einen Schritt müssen wir hinunter machen und wir befinden uns wieder in der totalen Einsamkeit und Stille. Verrückte Welt.

Der Steig ist wunderbar zur Steinbergalm und dann folgen wir ein paar Kehren der Forststraße hinab. Wieder durch einen Wald und dann stehen wir kurze Zeit später am Parkplatz. 15 Kilometer und 1250 Höhenmeter zeigt unsere Uhr an. Die Runde und Tour war schön, es war ein schöner Tag und wir sind froh, endlich einmal oben gestanden zu sein. Allerdings würden wir allen „Nachahmern“ zumindest den Tipp mit auf den Weg geben, nicht zu viel vom Ostgrat zu erwarten. Schwierigkeiten und Dauer sind weniger spektakulär als vielleicht auch der Tourentipp im Bergauf es vermuten lassen. Aber bei so manch einem Publikum, dass man dort oben trifft, vielleicht auch eine notwendige Vorsichtsmaßnahme.