Tag Zwei unserer diesjährigen Skitourentage des Alpenvereins Werfen widmeten wir der Ruderhofspitze (3473m) in den Stubaier Alpen. Sicherlich ist dieser Gipfel neben dem Zuckerhütl auch einer der markantesten und bekanntesten Berge dieser Region. In jedem Fall bietet die Ruderhofspitze einen wahnsinnig schönen Grat mit über 700 Metern Länge. Aber dazu später. In diesem Jahr hat sich ein bisschen etwas geändert – denn neben Simon und Wu führen nun auch Stefan und Christoph eine Teilgruppe der 30 Personen an, die uns in diesem Jahr begleitet haben.

Wir sind der AV Werfen. Uns muss man mögen.

Wir fallen auf, auf der Franz Senn Hütte, nicht zuletzt weil wir sicherlich eine der besten Stimmungen haben und eventuell auch die lautesten Organe. Und weil wir immer wieder wahnsinnig tolle Gipfel gemeinsam schaffen. Wein am Vorabend schadete uns nicht und so versammelten wir uns alle pünktlich um 08:00 Uhr vor der Hütte am Freitag (18.03.). Es würde ein langer Tag werden, auch wenn die Höhenmeter überschaubar bleiben würden, so muss man doch eine lange Wegstrecke zurücklegen. In vier Teilgruppen zogen wir dann in Abständen von fünf Minuten los. Über den wirklich flachen Talboden mussten wir südwestlich bis zum Talschluss. Die Außmaße der Täler und Gletscherbecken sind hier doch recht groß. Wir stiegen die erste Steilstufe hinauf und erreichten neben den Anfängen des Alpeiner Ferner vor allem auch die ersten Sonnenstrahlen, die uns aufwärmten bzw. aufheizten. Trinkblasen tauten wieder auf, genau wie die Müsliriegel.

Dicke Jacken verschwanden in den Rucksäcken, die Sonnencreme durchlebte eine Hochkonjunktur. Wir stiegen weiter kurz flach und dann über eine nächste längere Steilstufe, bei der wir den Gletscherbruch rechts umgingen. Oben angekommen eröffnete sich ein Blick der Superlative – das Gletscherbecken des Alpeiner Ferner hat gigantische Ausmaße und funkelte perfekt vor dem wolkenlosen blauen Himmel. Schon wieder wurde uns so ein toller Tag geschenkt. Und dann zogen wir nach einer Pause und am Seil gehend los Richtung Süden. Das Tempo haben wir sehr angepasst, denn die Jungs führen immer so, dass auch jeder mitkommt und sich nicht total verausgabt. Allerdings muss ich immer wieder feststellen, dass das Niveau unserer Truppe einfach dermaßen hoch ist, dass man sich über das Tempo so oder so keine Gedanken machen muss. In einem großen Linksbogen steuerten wir dann in Richtung Südosten, überwanden eine kleine Steilstufe und kamen dann in das obere östliche Gletscherbecken des Alpeiner Ferner. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den sehr langen Grat der Ruderhofspitze bereits fest im Blick. Die Vorfreude stieg.

Wir erreichten die obere Hölltalscharte die zeitgleich auch den Einstieg in den rund 700 Meter langen Grat eröffnet. Auf rund 3266 Meter richteten wir das Skidepot ein und stiegen in kleineren Gruppen langsam über den Grat hinauf. Im unteren Bereich zunächst durch leichtes Schutt- und Blockgelände, später dann über einen Schneegrat. Zum Teil ausgesetzt, allerdings hatten wir sehr gute Bedingungen und konnten gut durch den Schnee stapfen. Richtung Nordosten steilt der Grat dann sehr auf und wird zum Schluss gänzlich über Felsgelände auf den letzten Metern überwunden. Der Gipfelaufbau wies bei uns optimale Bedingungen – es zeichnete sich bereits ab, dass wir den Gipfel für uns alleine haben würden. Das gar nicht so selbstverständlich ist, denn die Ruderhofspitze ist mit Abstand das beliebteste Ziel von der Franz Senn Hütte aus.

Einsame Gipfelfreuden. Ok, fast einsam.

Und dann kraxelte einer nach dem anderen auf den Gipfel der Ruderhofspitze (3474m) – bis wir wie kleine bergsteigende Ameisen rund um das Gipfelkreuz saßen. Wir hatten den Gipfel für uns. Keine andere Gruppe war oben. Oben drauf war es windstill, die Sonne heizte zum T-Shirt tragen ein und wir hatten ausgiebig Zeit für eine Jause.

Netterweise wird die gute Jause immer unter allen geteilt, so dass wir auch immer das ein oder andere Stück Schokolade erwischen, weil wir immer nur „Power“ Gels dabei haben und die stehen einem ja irgendwann zum Hals raus. Also Danke an all die lieben Schokospender unserer Gruppe. Und nachdem wir fast eine Stunde an diesem Gipfel verbracht, das Zuckerhütl und den Wilden Pfaff begutachtet, den Mont Blanc dank der Fernsicht auch noch ausmachen konnten :), machten wir uns leider wieder auf den Rückweg zum Skidepot. Eine lange Abfahrt über 1300 Höhenmeter wartete auf uns. Vorher absolvierten wir aber erst einmal wieder die Gratwanderung und genossen noch die wärmende Nachmittagssonne. Bei Abstieg verlor leider jemand seine nagelneuen Steigeisen am Grat. Sie flogen über die Felswand und waren weg. Wir spendeten Trost und sahen es als Opfergabe für die Berggötter.

Ein bisschen Pulver auf den ersten Abfahrtsmetern konnten wir genießen, dann war es eher etwas harschig und windgepresst. Im Talboden dann wohl eher eine Skipiste. Skaten mussten wir Gott sei Dank nur wenig zurück zur Hütte.

Wein, Wein, Wein und Stubentüren die geschlossen werden.

Wir bevölkerten die Tische auf der Terrasse um die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen. Ja man kann sagen, wenn der AV Werfen zu Besuch ist, dann wird es lustig, lustig und ganz laut. Das Beisammensein hat einen großen Stellenwert für uns und so wird am Abend über die Erlebnisse des Tages und die Pläne gesprochen. Das Abendessen ist ein weiteres Highlight, gefolgt von ausgiebigen Gesprächen bei einem ähmmmmm mehreren Gläsern Rotwein. Die Türen unserer Stube verschlossen sich, damit die anderen Gäste überhaupt noch etwas miteinander kommunizieren können. 🙂 Aber auch der AV Werfen muss sich an die Hüttenruhe halten und gegen 22:30 Uhr, wurde es dann ruhig. Ein großes Entschuldigung an alle Ruhesuchenden auf der Franz Senn Hütte.