Wenn mir (Sa) langweilig ist, dann komme ich ziemlich häufig auf dumme Ideen. Dumm daran war nur, dass ich für ein derartiges Vertical-Race wie dem Dorfgasteiner Beinhoat-Rennen so gar nicht vorbereitet bin. Mit 1200 Höhenmetern auf 3,3 Kilometern, ein ganz schön steiles Stück Arbeit auf das Fulseck (2033m). Das Rennen hat in diesem Jahr bereits fünfjähriges Jubiläum. Also wurde es Zeit, dass wir in unserem geliebten Pongau, dieses heimische Rennen testen und unterstützen. Auch wenn es so gar nicht unsere Art von Rennen ist, habe ich mich extrem darauf gefreut. Es wird knallhart, so viel stand fest. Wu hat die Gelegenheit genutzt um das Event mit der Kamera zu begleiten und so wurde der vergangene Samstag (14.10.) einfach zu einem wunderbaren Tag.

Kalt, kälter, Cafe – frisch ist es schon

Besonders früh möchte der Wu gerne nach Dorfgastein fahren. Er packt seinen Kamerarucksack, ich muss nicht viel einpacken. Ein Vorteil von so einem Vertical. Keine Pflichtausrüstung. Nur meine Stecken, die sind Lebensnotwendigkeit an diesem heutigen Tag. Wir fahren noch vor neun auf den Parkplatz der Dorfgasteiner Bergbahnen und sind mit die ersten vor Ort. Rupman ist auch bereits da, sehen tun wir ihn im ersten Augenblick nicht. Es ist so kalt. Es könnte natürlich auch die Aufregung sein, als wir den Blick hinauf Richtung Fulseck werfen. Steil. Sehr steil. Zu steil?

Startnummern holen wir erst einmal beim lieben Team ab, Wu spricht sich noch wegen der Fotomacherei ab. Dann trotzen wir nicht länger der Kälte und setzen uns in das Cafe im Hotel an der Talstation. Der warme Fels in der Brandung. Jetzt warten wir einfach nur noch auf den Start.

Startschuss für Beinhoat. Das Vertical – ab jetzt nur noch bergauf

Wu fährt bereits mit der Gondel zur Mittelstation und nimmt seine Stellung ein. Rupman und ich warten in der Sonne. Jetzt ist es schon warm und als wir uns im Startblock aufstellen, ist die Stimmung schon richtig gut. Ich werde den Wanderweg nutzen, Rupman nimmt die Lifttrasse. Freie Streckenauswahl ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal: Wo kann man sich seine Strecke schon selbst aussuchen? Der Startschuss fällt und Luke springt ins Geschirr und sprintet los. Er fühlt sich ziemlich gebremst mit mir am anderen Ende der Leine.

Hilft nichts, die ersten Meter muss er dran bleiben. Ein Stück lang auf der Skipiste nach oben, dann reihen wir uns auf dem schmalen Weg ein. Wir ziehen uns ziemlich zügig nach oben durch den Wald. Mein Puls ist auf Anschlag. Oh wie ich meine Stecken liebe, als ich mich bei jedem Schritt an ihnen nach oben ziehe. Der Schweiß läuft, Luft bekomme ich keine. Luke läuft 10 Meter über mir. Wir erreichen wieder Almwiesen. Aber es ist soooooo steil.

Mittelstation und dann nur noch auf die Bergstation

Über die Wiese geht es jetzt gerade rauf. Luke entdeckt Wu oberhalb sitzen und rennt nach oben. Ich keuche hinterher und versuche auf den Fotos irgendwie gut auszusehen. Bei so einem Vertical gar nicht so einfach. Wir wechseln schnell ein paar Worte, während ich an ihm vorbei steige. Und dann erreiche ich endlich die Labestation und schütte mir gleich zwei Becher Wasser in den Körper. Ein Stück Schoko kommt auch noch mit und dann ziehe ich gleich über die Skipiste weiter. Inzwischen ist das Feld gut auseinander gezogen. Ganz sicher sind die ersten schon oben und lassen sich feiern. Ich keuche stattdessen noch ziemlich hier unten herum.

Skipiste geschafft, dann kommen wir kurz in den Wald. Es wird ganz kurzzeitig mal flach und ich komme auf den Gedanken, ein Stück zu laufen. Meine Oberschenkel explodieren dabei. Die nächste steile Skipiste ziehe ich mich an meinen Stecken nach oben. Beinhoat. Dann muss ich nur noch einen extrem steilen Weg zwischen Latschen nach oben. Das Ziel kann ich schon hören, Wu sehe ich auch oben stehen. Aber wie um Gottes willen, soll ich auf diesen Fotos jetzt gut aussehen? Ich laufe quasi auf allen vieren, etwas zieht mich konsequent nach unten. Aber ich gehe. Ich gehe und mit jedem Schritt komme ich nach oben. Geschafft. Jetzt nur noch die letzten steilen Meter ins Ziel.

Die Stimmung ist genial, der Moderator der Hammer. Ich schaffe es sogar noch einmal zu laufen. Meine Beine schmerzen, aber ich bin glücklich, als ich die Ziellinie überquere. Rupman ist auch schon da. Ich hätte gerne eine Medaille bekommen, aber die gibt es leider nicht. Wäre vielleicht ein Überlegung wert. Dafür gibt es aber weltbesten Kuchen, gutes Radler und super Stimmung. Luke sucht nach Kuchenkrümmeln. Ich ziehe mich um und wir genießen die Sonne. Mit 01:24 Std. lande ich in meiner AK auf Platz 19 von 37 gewerteten Teilnehmerinnen. Ich bin überrascht und freue mich wahnsinnig.

Ein Beinhoat(es)-Fazit

Man muss kein Vertical-Profi sein, um hier voll auf seine Kosten zu kommen. Beinhoat ist kein klassischer Berglauf. Nein, dass hier ist die einzig wahre Alternative zu all den ganzen Ultras uns Co. Pure Zerstörung innerhalb einer Stunde auf geilen Trails. Es ist sicherlich eines der ganz coolen Events hier in unserer Region und auf jeden Fall einen Start wert. ich komme sicherlich im nächsten Jahr wieder. Beim Beinhoat-Rennen stimmt einfach alles: Familiär und trotzdem sehr professionell organisiert. Geile Strecken, viele Höhenmeter, cooler Zieleinlauf. Tolle Moderation und ziemlich gute Verpflegung. Und die Tombola sucht seines gleichen. Einfach nur genial.

Die Gewinner:

Herren

1. Alexander Brandner 42:29,80
2. Philipp Brugger 43:56,40
3. Stefan Steiner 45:55,80

Damen

1. Sibylle Schild 52:34,60
2. Marlies Penker 53:43,90
3. Christina Schörghofer 58:57,00

Wu hat ziemlich viele Bilder gemacht. Die meisten davon, findet Ihr in unserem Flickr-Album. Einfach hier klicken.