Eigentlich ist es eine kleine Liebeserklärung: Schon viele Jahre treibe ich (Wu) mich im Winter in Flachauwinkel herum. Es gibt hier viele schöne Touren wie das Liebeseck oder das Benzegg & Schilchegg. Auch links von der Autobahn gibt es genug Tourenmöglichkeiten, wie zB. der Taferlnock. Zudem ist es eigentlich immer Schneesicher. Bei meinen unzähligen Touren in Flachauwinkel hat man meistens einen wunderschönen Blick auf den Faulkogel. Ein Grenzberg zwischen dem Pongau und Lungau. Höher als die umliegenden Berge und markant. Er trägt auch den Namen „Pongauer Matterhorn“. Genau seine Schönheit und die Tatsache, das er mit seinen 2654 Metern um einiges höher ist als die Berge in seiner Umgebung, machten ihn auch für mich interessant. Im Sommer standen wir bereits am Gipfel. Nur im Winter hatte ich entweder keine Zeit oder der Schnee hat nicht gepasst. Irgendetwas war immer und ich habe die Besteigung Saison für Saison vor mich hergeschoben. Bis zum letzten Sonntag.

Sollen wir den Faulkogel gehen? Ich glaube die Bedingungen sind gut.

Und dann ist es soweit! Simon und ich beschließen Samstagabends: Morgen schauen wir uns den Faulkogel an. Sollte der Schnee nicht passen, dann müssen wir halt umdrehen. Genau mit diesem Gedanken standen wir am Sonntag (28.01) am Parkplatz in Flachauwinkel.

Der erste Teil der Skitour ist etwas fad. Wer es kennt der weiß: Als erstes geht es das Tal hinein zur Ursprungalm. Wir haben uns entschlossen den Faulkogel ähnlich dem Sommerweg zu besteigen, zumindest den ersten Teil bis zum Neukarsee. Es dauert immer ewig bis es endlich bergauf geht. Nach der Ursprungalm in den Talkessel direkt in der Falllinie zur Neukarscharte. Hier kommt man dann auch recht schnell zur ersten Steilstufe. Es geht direkt eine kleine Rinne hoch, die wir oben nach links raus queren in das Neukar. Der Schnee passt perfekt, im oberen Bereich müssen wir nur leicht baggern aber wir sind schnell draußen.

Auf geht es zur Nord-Ost Flanke des Faulkogels

Im Neukar schwenken wir nach links in Richtung Neukarsee. Wir wollen so weit es geht mit den Ski an den Füßen die NO-Flanke nach oben. Wir suchen uns einen guten Weg oberhalb des Sees und stehen dann am Beginn der Flanke, die nach oben in einer Rinne endet. Das wird die Abfahrtsroute. Während wir uns der immer steiler werdenden Flanke mit Spitzkehren nach oben schrauben, frischt der Wind auf. Es ist kalt. Die Sonne kommt nur kurz zum Vorschein, ist dann auch schon wieder weg. Wir sind alleine unterwegs am Berg. Simon ist ca. 50 Höhenmeter über mir. Und sehe schon, wie er sich immer schwerer tut bei den Spitzkehren. Ich entschließe mich die Ski auf den Rucksack zu schnallen.

Das große Stapfen beginnt

Ab jetzt wird es immer steiler: Simon und ich stapfen gerade noch oben. Anfangs ist es noch sehr breit und steil. Nach ca. 200 Höhenmeterb halten wir uns dann im Sinne des Aufstiegs etwas rechts in der Flanke. So kommen wir ca. 100 Höhenmeter unterhalb des Vorgipfels (der Faulkogel hat drei Gipfel!) auf den Grat. Wir treffen wieder auf den Sommerweg. Nach ein paar Minuten Gestapfe und leichter Kletterei stehen wir am Gipfel. Simon und ich freuen uns sehr. Ein wunderschöner Gipfel im Sommer wie auch im Winter. Es ist etwas stürmisch, darum beeilen wir uns mit dem Gipfelbuch-Eintrag und machen noch ein paar Bilder bevor es dann wieder runter geht.

Mit Ski durch die NO-Flanke des Faulkogels

Beim Aufstieg haben wir ja unsere geplante Abfahrt ja bereits gesehen. Da der Schnee in der Flanke heute perfekt passt, entschließen wir uns im Sinne der Abfahrt ganz rechts die direkteste Linie ab zufahren. Wirklich ein Geschenk! Ich weiß nicht ob die Abfahrt einen Namen hat, vielleicht heißt sie Neukarrinne? Wir haben einfach pragmatisch direkte NO-Flanke dazu gesagt, da Sie vom Vorgipfel komplett in der Falllinie zum Neukarsee geht. Simon und ich schwingen langsam die Flanke hinunter, eine sehr logische Linie. Der Schnee ist hart, aber sehr griffig. Und so stehen wir nach kurzer Zeit schon wieder am Ende der Flanke mit brennenden Oberschenkeln. 😉 Wir queren oberhalb ein paar Felsen nach links hinaus und stehen dann wieder im Neukar. Was für eine schöne Abfahrt. Beide haben wir leuchtende Augen. Auch hier wird mir wieder bewusst: Oftmals lohnt es sich zu warten. Und mit etwas Glück erwischt man wie wir den für uns optimalen Zeitpunkt um so eine Tour zu machen.

Ich bin wirklich glücklich mit dieser Tour und dem Faulkogel. #nextperfectday

Für diejenigen die sich fragen wie schwer der Faulkogel ist? Hmmm, gute Frage! Ich würde die Tour mit S+/SS- bewerten nach SAC Skala. Und immer den Lawinenlage-Bericht im Auge behalten.