„Lass los, denk nicht darüber nach, lauf einfach!“ Silke hat aufmunternde Worte für mich, als der Downhill vom Hochegg vor uns liegt. Und sie lässt mir keine Zeit darüber nachzudenken. Ich setze mich in Bewegung und versuche an Silke dran zu bleiben. Es ist matschig, so wie vor zwei Jahren genau hier an dieser Stelle beim Schwarzachtrail Salzburger Land, aber ich laufe und schaffe es. Trauma überwunden? Ich glaube ja! Mein Sturz und die damit verbundene Verletzung vor zwei Jahren ist Geschichte. Ganz und gar keine Geschichte ist die Freundschaft mit Silke. Die fängt gerade erst an und damit auch unsere gemeinsame Testphase für das große bevorstehende Team-Rennen im September, den Transalpine Run. Silke ist stark – körperlich und mental – und wir passen, jede mit ihrem Level, gut zusammen.  Für den Schwarzachtrail haben wir uns darauf geeinigt, dass jede ihr Ding läuft. Trotzdem laufen am Ende längere Zeit zusammen, weil wir einfach gut zusammen passen.

Startnummern, Briefing und ein früher Startschuss beim Schwarzachtrail 2018

Es ist Jubiläumsjahr, das 20. um genau zu sein. Und Fredl organisiert mit seinem 150 Köpfigen Team ausnahmsweise zwei Strecken: Der Klassiker mit 47 Kilometern und 2700 Höhenmetern und den einmaligen Newcomer mit 84 Kilometern und 5000 Höhenmeter. Silke und ich sind beide für den „langen Newcomer“ angemeldet. Naiv? Vielleicht. Nach 08:30 wieder in Schwarzach sein nach 47 Kilometern und 2700 Höhenmeter kann möglich sein, bereitet uns aber wirklich Kopfzerbrechen. Wir holen unsere Startnummern ab. Tom macht den 84 Kilometer-Run, auch wenn er sich erst noch nicht so sicher ist, denn Zegama letztes Wochenende steckt auch noch in den Beinen.

Nach dem Briefing verzupfen wir uns wieder nach Hause und dann sehr zeitig ins Bett. Um 03:30 Uhr klingelt der Wecker und wir sitzen schon wieder im Auto nach Schwarzach. Es regnet und das finden wir eher nicht so prickelnd. Aufgewühlt, nervös und absolut prickelnd ist die Stimmung bereits beim Start und der Regen hört auf. Und dann knallt auch schon der Startschuss ganz leise um 05:00 Uhr – Fredl schickt uns auf die Strecke, 250 Trailrunner. Silke und mir ist schon jetzt klar, dass wir „nur“ den Klassiker hier laufen werden.

Kilometer 0-21: Böndlsee, Meislsteinkapelle und Gambskögerl

Wir knallen los. Silke und ich ziehen an und bleiben irgendwie in der großen Meute. Das Starttempo ist hoch. Zu hoch. Wir bleiben dran, müssen aber bereits beim Reitstall das erste Mal gehen. Silke ist eine excellente Geherin und ist fünf Meter vor mir. Ich habe sie im Sichtfeld und halte mich an Ihr Tempo. In einem kleinen auf und ab geht es erst einmal in Richtung Böndlsee. Durch Goldegg laufen wir bereits zusammen und das bleibt auch bis zum Böndlsee so. Nach dem Böndlsee kommt der berühmt berüchtigte steile Schnapper über eine Wiese. Wir stellen uns dem gemeinsam und gehen dann die Forststraße weiterhin zusammen. Laufen, gehen, laufen, gehen und dann erreichen wir, leider bei Nebel, die Meislsteinkappelle. Der Ausblick hier oben wäre fantastisch, aber wir sind froh über die Nebeldecke, die uns vor der Hitze schützt.

Es folgt ein Downhill, der uns zum Einstieg des Aufstiegs zum Gambskögerl bringt. Silkes Magen rebelliert etwas, aber sie kämpft dagegen an. So richtig ein gutes Magengefühl habe ich allerdings auch nicht. Wir schalten einen kleinen Gang zurück im Aufstieg. Die kleine private Verpflegungsstelle unterhalb des Gambskögerls nutzen wir kurz um dann gleich weiter in Richtung erstes Gipfelkreuz aufzusteigen. Geschafft in knapp unter vier Stunden. Wir sind inmitten des Schwarzachtrail angekommen.

Kilometer 21-31: Hochegg, Schneeberg und Verpflegungsstelle Althaus

Ich hätte Lust jetzt etwas zu essen. Silke zieht mich aber gleich weiter. Danke, so vertrödel ich wenigstens keine Zeit. Im kurzen Downhill komme ich ganz gut zurecht. Dann queren wir schon rüber durch den lichten Wald und die paar wenigen Meter rauf zum zweiten Gipfelkreuz des Tages, Hochegg. Am Gipfel kommen wir nur 11 Minuten nach dem Gambskögerl an – genial. Ich hätte gerne eine Pause. Vermutlich weil ich schon unbewusst daran denke, was mir jetzt bevor steht. Downhill vom Hochegg bei ähnlichen Verhältnissen wie vor zwei Jahren. Silke lässt mir keine Wahl und motiviert mich schnell weiter zu laufen. Ich mache nur noch meine Schuhe enger zu. Dann laufen wir schon. Sie vor mir, irgendwann dann auch mit etwas mehr Abstand. Sie ist sooooo gut im Downhill. Aber ich bin nicht schlecht und überwinde mich.

Im Aufstieg zum Schneeberg ist Silke etwas vor mir – das würde sich für den Rest des Tages auch nicht mehr ändern. Aber in Sichtweite. Und es ist diese Sichtweite, die mich die ganze Zeit zieht. Und als ich am dritten Gipfelkreuz Schneeberg ankomme ist sie eben genau diese Sichtweite auch schon wieder weiter unten. Also laufe ich auch direkt weiter. Inzwischen haben wir etwas Aussicht und die Sonne kommt immer öfters raus. Es folgt ein toller und wurzeliger Downhill. Vorher laufen wir noch bei Wu vorbei, der sich hier zum fotografieren platziert hat. Die Verpflegungsstation Althaus erreiche ich nur eine Minute später als Silke: Ich komme, sie geht. Wir haben nur kurz einen Blick ausgetauscht um uns zu fragen: „Alles ok?“ Das war es und dann läuft Silke los. Ich folge ihr einen Moment später.

 

Kilometer 31-41: Hochglocker und Heimatmuseum

Ich gebe zu, das waren die mit Abstand fordernsten Kilometer. Zumindest mental. Ich weiß Silke ist vor mir. Sehen tue ich derzeit niemanden um mich herum, als ich die „unendlich“ lange Forststraße zum Hochglockner gehe. Laufen ist nur kurzzeitig möglich, das meiste gehe ich so schnell es eben geht. Der heutige vierte Gipfel vom Hochglocker ist dann erstaunlicherweise ganz schnell erreicht und Silke ist auch hier nur eine Minute vor mir durchgelaufen. Ich habe also dran bleiben können. Das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, versuche aber auch weiterhin Gas zu geben. Der anschließende Downhill zum Heimatmuseum ist ausladend und stellenweise richtig steil.

Ich verliere offenbar Zeit, weil ich nicht mehr ganz so flüssig laufen kann. Ich bin auf weiter Flur alleine, aber ich laufe, laufe, laufe. Silke ist eine echte Downhill-Queen und hat tatsächlich auf diesem Stück knapp neun Minuten raus gelaufen. Unglaublich. Ok, ich war kurz noch pinkeln. Mich motiviert allerdings gerade der Gedanke, dass eine Zeit unter acht Stunden deutlich möglich ist. Also nehme ich die Beine in die Hand. Eine gute Zeit und Silke irgendwo da vor mir sind ein guter Anreiz. An der Verpflegungsstation Heimatmuseum lasse ich mir nur kurz Zeit.

Kilometer 41-48: Hoflehenwald und Zieleinlauf

Ich laufe, obwohl mich mental diese Straßenabschnitte wirklich fordern. Aber ich laufe so gut es geht. Auf und ab über einen Spazierweg, dann ein kurzer Downhill und dann noch mal ein Anstieg „Schermberg“ rauf. Diesen Anstieg hatte ich vergessen. Ich bin alleine unterwegs und freue mich, als ich dann endlich Schwarzach von oben sehe. Die passiere die für uns letzte Kontrollstelle Hoflehenwald – jetzt beginnt der Zielsprint des Schwarzachtrail. Ich lasse es noch einmal laufen und dann komme ich am Marktplatz an. Es herrscht grandiose Stimmung, Fredl moderiert wirklich jeden Läufer an. Auch mich und dann laufe ich schon über die Ziellinie.

Die Uhr bleibt bei 07:42 Std. stehen und ich dann bei Silke, die auf mich wartet. Silke hat es in sensationellen 07:33 Std. geschafft und damit neun Minuten auf dem letzten Stück raus gelaufen. Hammer. Ich bin stolz auf mich, denn so schnell war ich noch nie auf einer ähnlichen Distanz und ich bin stolz auf Silke. Sie ist einfach ein Vorbild und sie bringt mir bei, nicht so viel Zeit zu vertrödeln. Und sie macht mich noch viel stärker im Downhill, schon alleine wenn ich mich an ihre Fersen heften darf.

Ein Fazit

Der Schwarzachtrail Salzburgerland ist ein durch und durch perfekt organisiertes Event mit ganz viel Herzblut. Absolut und immer wieder empfehlenswert. Danke an das gesamte Team und natürlich an all die lieben Gesichter, die wir wieder einmal getroffen haben. Und @Silke: Ich glaube wir sind/werden ein gutes TAR-Team 2018!

Hier geht’s zu allen Bildern von Wu .