Wir fahren auf den Parkplatz in Seefeld und staunen nicht schlecht, als wir die vielen, vielen Trailrunner sehen, die bereits ihre Startnummern abholen. Ein bekanntes Rennformat, das pausiert hat, ist zurück: in neuem Gewand und mit neuem Konzept. Kann das funktionieren? Die Salomon 4Trails reloaded – ein Muss für jeden Etappen-Liebhaber oder jene, die es noch werden wollen. Wir vermeiden die Bewertung es sei die kleine Schwester des Transalpine Run, denn das wäre nicht fair.  Aber wir sind gespannt, ob das Comeback funktioniert und freuen uns ein Teil der 4Trails zu sein. Die Stimmung stimmt schon am Vorabend der viertägigen Reise durch Tirol.

Tirol ist ein Trailrunning Bundesland

Wir wollen von Seefeld nach Imst laufen, aufgeteilt in vier Etappen, die jeweils zwischen 22-25 Kilometer und jeweils 1200-1600 Höhenmeter aufweisen. Nach vier Tagen werden wir 95 Kilometer und 5600 Höhenmeter geschafft haben. Eigentlich machbar, aber eben auch ein Garant für hohes Tempo. Wir sind sofort angekommen und treffen unglaublich viele bekannte Gesichter. Da ist es schon, dieses Plan B Event-Gefühl, das alle zu einer großen Familie zusammenbringt. Das spüren wir schon beim ersten Briefing und Get together auf der Rosshütte oberhalb von Seefeld. Die Organisation ist einfach immer ohne Lücken und gleicht einem Rundum-sorglos-Paket. Es wird ein schöner Abend und die Spannung steigt – das Essen schmeckt. Wir freuen uns auf vier Tage Trailrunning und das Ziel in Imst.

Salomon Running %Team bei den 4Trails

Am Vorabend treffen wir die Jungs und Mädels des Salomon Running Teams. ©Philipp Reiter

4Trails Etappe 1: Von Seefeld nach Leutasch über die Rosshütte (25,4km/1.557Hm im Aufstieg)

Wir können unsere großen Renn-Taschen in der Pension in Leutasch lassen. Das beruhigt und entspannt ungemein, als wir vor dem Start im Auto Richtung Startlinie in Seefeld sitzen. Wir sind aufgeregt und wissen nicht, ob wir ziemlich als Kaltstart in der Lage sind, mal eben 95Kilometer in vier Tagen zu laufen. Betrachtet man unsere Laufleistung der letzten Wochen, dann kämen wohl bei jedem berechtigte Zweifel auf.

Aber und das wissen wir, unsere mentale Stärke ist auch nicht zu unterschätzen. Wir können auch ganz gut einfach mal durchdrücken. Das wir das letztendlich gar nicht mussten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und dann sind wir schon mitten drin, der etwas über 500-köpfige Zug aus Trailrunnern setzt sich in Bewegung. Wir haben es nicht mit einer Dampflok zu tun, sondern eher mit einem ICE. Das Grundtempo aus Seefeld hinaus ist hoch, der Trail hinauf zur Rosshütte glüht förmlich und ich habe so meine Probleme mit der Atmung.

Gemeinsam laufen – aufeinander Rücksicht nehmen

Christian und ich laufen zusammen – daher ist er derjenige, der gerade auf mich warten muss. Nach der ersten Verpflegungsstation starten wir noch rauf auf das Seefelder Joch, von dem wir fantastische Ausblicke in das Karwendel-Gebirge haben. Besonders schön finde ich es, das Martin Hafenmair (Streckenchef), hier oben am höchsten Punkt steht und alle Läufer anfeuert. Danach folgt ein langer, langer Downhill durch das Eppzirler Tal zum Gießenbach – bei dem wir unsere Reserveren auffüllen.

Natürlich nicht am Bach, aber bei der Verpflegungsstation die dort auf uns wartet. Christian übertreibt es und bereut es danach bitterlich. Ein Steinklumpen ruht ab diesem Moment in seinem Magen und lässt den Aufstieg zum Hohen Stich (1.522m) zur Tortour werden. Ein klassischer Anfängerfehler, den man für gewöhnlich kein zweites Mal macht. Im Downhill nach Weidach läuft es allerdings dann wieder flüssig und wir können halbwegs über die zwei Kilometer Radlweg hinein nach Leutasch hinweg sehen. Der Zieleinlauf bereitet uns echte Freude und wir genießen die Zeit im Ziel, Ziel-Weißbier inklusive.

4Trails Etappe 2: Von Leutasch nach Wildermieming über die Niedere Munde (22,9Km und 1.279Hm im Aufstieg)

Wir stehen beide erstaunlich gut auf, als uns der Wecker aus dem Bett holt. Luke ist auch fit und freut sich, dass er heute auch mit auf die Strecke darf. Es ist gefühlt für mich die schwierigste Etappe, weil sie mit einem langen, flachen Abschnitt zum Berg ,vor allem sehr schnell werden würde. Und ich kann einfach nicht schnell sein. Beim Start dreht Luke fast durch vor lauter Vorfreude und Aufregung. Bewundernswert das er immer motiviert ist, auch ohne zu wissen, was auf ihn zukommt. Der Startschuss fällt und schon rennen wir los. Luke will gerne an die Front, leider müssen wir ihn da enttäuschen. Mit den vordersten Läufern können wir nicht einmal annähernd mithalten. Das etwa 10 Kilometer lange flache Stück mit kleineren Auf und Abs gestaltet sich mehr als kurzweilig und geht schneller vorbei als gedacht.

Strom und Gas sind aus

Mit dem Erreichen der ersten Verpflegungsstation, wird auch der Weiterweg auf die Niedere Munde deutlich. Alles was wir an Höhenmeter bis jetzt gespart haben, stehen uns jetzt bevor. Ich setze meine ersten Schritte in den Anstieg und stelle schnell fest, dass das Gas aus ist. Oh je – das werden quälende Höhenmeter auf die Niedere Munde werden. Mühsam und langsam ernährt sich das Eichhörnchen. Das praktische ist allerdings, das jeder Uphill auch irgendwann einmal endet, auch dieser. Und dessen Ende ist sogar ausgesprochen schön – denn wir starten in einen sensationellen Downhill zur Neuen Alplhütte. Ein technischer Trail über den wir zeimlich flowig runter kommen. Purer Genuss, bei dem wir auf unsere Kosten kommen.

Danach queren wir durch den Wald hinüber nach Wildermieming bei leichtem Regen. Auch hier lässt der Trail keine Wünsche offen. Einen Kilometer vor dem Ziel treffen wir auf die Straße, die uns ins Ziel bringt und mir leider kurz zwei Stiche ins Knie. Aber der Schmerz vergeht recht schnell, ist während unseres Zieleinlaufs bereits vergessen. Wir sind happy über die absolvierte zweite Etappe – es folgen nur noch zwei.

 

Ausruhen und Füße hoch legen

Das ist ja ein Klacks, zumindest ist die Stimmung bei uns richtig gut.  Luke hat die heutige Etappe locker weg gesteckt und will unbedingt am dritten Tag auch dabei sein. Wir nehmen ihn wieder mit – erholen uns jetzt aber erst einmal ausgiebig. Bei der Pastaparty wird leider klar, was sich über den Tag und die Wettervorhersage schon abgezeichnet hatte. Eine Streckenänderung auf Grund von erhöhter Gewitterneigung am frühen Nachmittag für den dritten Tag reduzierte die Etappe um das Marienbergjoch, also um rund 1,5 Kilometer und 250 Höhenmeter. Wir sind gar nicht so traurig darüber, denn Regen und Wind auf der Höhe sind generell schon keine nette Kombination, wenn dann auch noch ein Gewitter dazu kommt, dann wird es mehr als unangenehm.

Unseren Zieleinlauf gibt es in dem kurzen Stage 2-Video von werun4fun: (Danke – das Ihr immer dabei seid)

 

4Trails Etappe 3: Von Wildermieming nach Nassereith über Stöttltörl (22Km/1.300 Hm im Aufstieg)

Der Blick aus dem Fenster ist ernüchternd. Es schüttet, dann nieselt es nur, aber das Endergebnis bleibt gleich. Wir werden nass und zwar mächtig. Mir kommt die Streckenänderung in den Kopf und ich bin fast ein bisschen happy darüber, während der Regen gerade auf mich nieselt. An der Startlinie trifft man Freunde und Leidensgenossen – die Zeit vorm Start ist immer ganz fein. Es ist sogar schon ein bisschen so etwas wie Routine eingetroffen und die Spannung weicht der Zufriedenheit. Der Startschuss fällt und Luke legt sich ins Zeug. Ich könnte mich ziehen lassen, finde das aber ziemlich unangenehm. Daher kommt der Luke recht schnell von der Leine weg und wir machen Meter in Richtung erster Verpflegungsstation. Wir sind innerhalb kürzester Zeit nass, von innen und außen. Die Haut schrumpelt auf, es läuft am gesamten Körper runter. Und trotzdem ist die Stimmung ungebrochen gut. Eine kurze Stärkung und dann beginnt der, zum Teil weglose, Anstieg auf das Stöttltörl.

Alpine Trails – Genuss pur

Für uns ist das mit Abstand die schönste Etappe, weil sie alpines Flair vermittelt und Gelände offenbart in dem wir uns wohl und stark fühlen. Manch einer lässt sich durch die Altschneefelder dazu verleiten zu glauben, wir liefen über Gletscher. Dem war natürlich nicht so und wir geben zu, dass es zu diesem Zeitpunkt doch auch für einen kleinen Schmunzler bei uns sorgt. So oder so ist die Strecke einfach genial und als wir oben am Stöttltörl ankommen ist es neben Wind und kaltem Regen vor allem Martin, der die Trailrunner hier herauf motiviert. Schön, wenn der Streckenchef selbst bei diesem mistigen Wetter am höchsten Punkt steht und anfeuert. Der Downhill ist vielversprechend und zaubert uns ein Lächeln ins sehr kalte Gesicht. Flowig, genau die richtige Neigung, perfekt. Unten raus wechseln sich dann wieder Forststraßen und Trails ab – nur der Regen bleibt heute unser ständiger Begleiter.

 

 

Vorbei an Aschland nach Nassereith treffen wir auf den letzten Metern auf einen Downhill, der mir schon vom TAR bekannt gewesen ist. Wunderbar. Und nachdem inzwischen auch in unseren Schuhen ein See geboren worden ist, nehmen wir jetzt jede Pfütze voll mit. Das ist ein nasskalter und trotzdem toller Zieleinlauf in Nassereith. Es bleibt nass auch wenn wir uns umziehen. Der Shuttlebus nach Imst ist bestimmt heute noch ein Biotop. Aber vermutlich ist genau das Trailrunning, das macht unseren Sport aus. Eine warme Dusche kann schon sehr viel Wert sein – der Wert steigt enorm nach solchen Tagen. Am Abend werden wir sehr gut verköstigt und die Freude aufs „Heimkommen“ steigt. Nur noch eine Etappe, nur noch einmal Gas geben, dann gilt es sich die Medaille der 4Trails um den Hals zu hängen.

4Trails Etappe 4: Von Nassereith nach Imst über das Sinnesgatter (23,7Km/1.300Hm im Aufstieg)

Letzter Tag der 4Trails, letzte Etappe und wir sind etwas traurig. Schon wieder ist ein Ende in Sicht, das immer auch ein Stück weit traurig stimmt. Wir sind doch gerade erst voll angekommen, haben wieder viele neue Freunde kennengelernt und sind drin im Etappen-Modus. Und natürlich freuen wir uns auch, dass es dann vorbei ist, denn sowohl physisch als auch psychisch ist es von Vorteil, wenn die Belastung ein Ende hat, obwohl wir mit beidem noch nicht wirklich Probleme haben. Also fahren wir zum Start in Nassereith, Luke bleibt heute in der Pension. Er hat Ruhetag.

Am Start ist gelöste Stimmung, denn jeder weiß, dass es vermutlich heute jeder ins Ziel schaffen wird. Die Strecke ist für mich in weiten Teilen nicht neu (2. Etappe des TAR2018) und das frustiert mich fast ein bisschen, denn wer mich kennt der weiß, dass ich so meine Probleme mit „bekannten“ Strecken habe. Dennoch weiß ich ja auch, dass die Strecke tolle Abschnitte bereit hält und es ab dem Sinnesgatter eigentlich nur noch bergab geht.

Team-Bündnisse halten für immer

Heute finden wir uns sehr schnell mit Sarah und Stefan zusammen, die wir beide vom TAR2018 kennen. Ich genieße es sehr, dass sie um uns herum sind, denn die zwei fühlen wie ich heute und es ist ein super angenehmes Gespann. Die zweite Verpflegungsstation plündern wir zusammen, nehmen uns sogar Zeit für Bilder und meistern die sich etwas ziehenden Kilometer Richtung Imst gemeinsam.

Auch miteinander fluchen können wir, als sagenhafte 15 Höhenmeter kurz vorm Ziel, doch noch einmal für blaue Beine sorgen. Beim Zieleinlauf lassen uns die Herren den Vortritt und wir versuchen noch mal zu sprinten. Ein letzter Sprung über die Ziellinie und wir haben es geschafft – die Salomon 4Trails 2019 mit 95 Kilometern und 5.700 Höhenmetern in vier Tagen. Wir stehen auf Platz 345. und 346. in 17:34 Std. Gesamtzeit bei 427 Finishern. Gleichzeitig setzen wir uns schon das „X“ im Kalender 2020. Wir werden dabei sein und die nächsten vier Etappen auf dem Weg zum Gardasee in Angriff nehmen.

Und was gibt es noch über die 4Trails zu sagen?

Einiges. Und eigentlich weiß ich immer nicht wo ich anfangen soll. Ich weiß auch nicht, warum ich eigentlich mitmache. Und warum ich es immer schaffe liebe Leute um mich herum zu motivieren mitzumachen. Sei es Silke beim Transalpine Run oder eben jetzt Wu bei den 4Trails. Gemeinsame Zeit mit Freunden und Bekannten und neuen Gesichtern, die zu Freunden werden. Vielleicht ist es auch das Gefühl zur gleichen Zeit Emotionen wie Freude, Schmerz und Spannung zu erleben. Am Ende bleiben die guten Momente: Ein Event von Plan B ist einfach perfekt organisiert ist und das familiäre Flair bleibt auch trotz über 500 Teilnehmern garantiert.

Einfach mal ausprobieren – die 4Trails sind perfekt dafür

Wem wir die 4Trails empfehlen? Eigentlich allen, die Lust haben, vier Tage lang unterwegs zu sein. Die Distanzen sind gut machbar für jedermann, die eine Grundfitness mitbringen. Wer ambitioniert ist, kann ja Gas geben und um einen Podiumsplatz laufen. Die 4Trails bieten einfach für jeden Anspruch etwas. Ich möchte aber betonen, dass es ein Etappenrennen bleibt, das immer eine Herausforderung für Körper und Geist ist. Aber sie bieten auch doppelte Freude und Stolz, wenn man es dann geschafft hat. Das könnte schon ein Grund sein, warum auch ich mich dieser Herausforderung immer wieder stelle und der Termin für die 4Trails 2020 schon im Kalender eingetragen ist.

Wir danken Plan B für den zur Verfügung gestellten Startplatz. Natürlich danken wir auch allen lieben Menschen, die die Zeit während der 4Trails wieder zu einer genialen Zeit gemacht haben. Wer ein bisschen Gänsehaut bekommen will, der schaut sich einfach mal dieses Video hier an.