Wenn das Aufstehen am Montagmorgen so gar nicht sportlich ausschaut, das Anziehen der Jogginghose für den morgendlichen Gassi-Gang mit Luke gefühlt zehn Minuten dauert, die Treppen ins obere Stockwerk dem Hillary-Step am Mount Everest gleichen, dann ist es wohl ein gutes Wochenende gewesen. Glücklich im Büro sein zu dürfen, die Füße still zu halten, ist wohl das schönste Gefühl heute. Die Erinnerungen an die vergangenen zwei Tage machen glücklich. Mit der Trail-Raid in Bad Reichenhall ist ein neues Format im Trailrunning hier bei uns in der Region entstanden und wir hoffen dass sich die drei Organisatoren: Philipp Reiter, David Wallmann und Steve Auch auch im kommenden Jahr zur Trail-Raid Vol.2 überreden lassen werden.

Runde Tag 1: Von Bad Reichenhall über die Spechtenköpfe und Dötzi zurück ins Tal

Nach einem schönen Abend bei unseren Freunden und der ersten Grillerei des Jahres, stehen wir mehr oder minder ruhig im Parkhotel Luisenbad. Dreh und Angelpunkt der Trail Raid – leider aber nicht Startpunkt des Community Runs. Das merken wir kurz vor knapp und irren mit einigen anderen durch Reichenhall zum Startpunkt. Und treffen dort auf so viele liebe, nette Leute, das uns gleich bewusst wird, dass es ein toller Tag werden würde. Der Startschuss fällt pünktlich um 10:00 Uhr und das Tempo auf den ersten zwei flachen Kilometern ist erwartungsgemäß hoch. Dann lassen wir Asphalt und Straße hinter uns und rennen auf die ersten steilen Kilometer, die uns hinauf zur Schlegelmulde führen. Wir schalten auf „Geh-Beastmodus“ um. Ich bin froh über Silke mit der ich die ganze Zeit schnattern kann, während Wu immer ein paar Meter voraus ist. Irgendwann verlassen wir den Wald und stecken mitten im Vertikal. Es wird warm und kalt zugleich – Wu stürzt, Luke hat Gaudi, Silke und ich werden ruhiger. Und dann? Verpflegungsstation Schlegelmulde mit Steve. Großartig und kurzweilig.

Dann diese gemeine Lifttrasse hinauf und hinüber zum Spechtenkopf queren. Tom schließt sich uns an, er war eh schon oben – gemeinsam geht´s ein paar knackige Serpentinen hinauf auf den Spechtenkopf. Gipfel, endlich. Genial. Durchatmen. Abwärts geht´s schneller als gedacht und teilweise auf dem Po. Schneespaß im Mai. Dann donnern wir den Downhill hinab – im Downhill-Segment so schnell jeder kann. Unten am Weißbach treffen wir wieder zusammen und ahnen was nun noch folgen würde. Der erbarmungslose Anstieg auf den Dötzenkopf. Nach einer schönen Passage, die sich angenehm laufen lässt, nehmen wir Tempo raus und sind auf dem Trail hinauf. Wir trennen uns etwas – jeder kämpft für sich. Bis auf Luke, der lächelt und ist agil. Und oben? Erfahren wir, dass es noch ein Stück hinauf, bevor es dann wirklich nur noch bergab geht und ein kleines Stück gerade.

Ein wunderbarer Downhill folgt und bescheidene flache zwei Kilometer zurück zum Ziel. Aber wo ein Downhill, da auch flache Kilometer. Wir schaffen es und kommen glücklich und ziemlich müde im Ziel an. Es gibt ein Finisher-Bier und die Suche nach WLAN zum Upload der Strava-Moves startet. 1850 Höhenmeter und 23 Kilometer sind es am Ende geworden. Wir fahren duschen, ziehen uns um und starten zum Abendprogramm – eine gesellige Runde, viele Gespräche und gutes Essen.

Runde Tag 2: Über die Padinger Alm zum Zwiesel und vom Listsee zurück nach Bad Reichenhall

Autsch. Das beschreibt das Aufstehen am Sonntag wohl am besten. Wie sollen wir den heutigen Tag nur überstehen? Am Startort treffen wir auf einige neue Gesichter. Nicht alle konnten beide Tage dabei sein – ein bisschen wurde also jetzt durchgetauscht. Wir erweitern unsere Runde um Lucy und Leni. Und sind damit eine tolle Gruppe. Die Berghasen sind heute auch da. Zischen aber elegant und spritzig an uns vorbei beim Aufstieg zur Padinger Alm. Heute ist das Grundtempo niedriger, dass wurde uns auf den ersten Kilometern sofort bewusst. Wir mussten auch vom Gas runter. Ein Fuß vor den nächsten, Plan A werden wir schon irgendwie heute schaffen. Es geht den bekannten Weg zur Bartelmahd in vielen Serpentinen hinauf. Mich hält wer von hinten fest und zieht an mir – ich komme gefühlt nicht vorwärts. Alles schmerzt.

Und trotzdem wird es nach 1,5 Stunden deutlich besser. Die Beine werden wieder etwas geschmeidiger. Und so schieben wir uns dann hinauf. Es kommt der blaue Steig hinüber zur Abzweigung auf die Zwieselalm. Sehr angenehm und wunderbar. Und dann zack rauf zur Zweiselalm und auch dieses Mal wartet Steve auf uns mit der Verpflegung. Aber auch Tobi und Rupi sind oben. Immer schön, liebe Menschen zu treffen. Auf dem Uphill-Segment geben wir noch einmal alles. Bei Tom reichte es zum Sieg bei den Männern – bei mir und Wu gerade einmal, dass wir überhaupt oben ankommen. Schöner Gipfel, noch schönerer Downhill – wir alle nehmen Fahrt auf. Und am Listsee dann die Ernüchterung. Ein kurzer Schnapper von rund 100 Höhenmeter führt uns zurück zur Padinger Alm. Aua – aber geschafft.

Erneut ein Downhill und dann knapp 1,5 Kilometer flach zurück zum Ziel. Ich schaffe es dieses Mal Dank Silke und Lucy nicht zu gehen sondern durch zulaufen. Wu versucht an Tom dran zu bleiben und mobilisiert noch mal alle Kräfte. Ziel: Geschafft. Geil. Was für ein toller zweiter Tag. Trails die keine Wünsche offen lassen, leider aber keine Rollstühle, die uns zurück zu unseren Autos bringen. 21 Kilometer und 1600 Höhenemeter. Wunden lecken, anschließend gutes Eis. Strava will heute nicht so recht unsere Moves synchronisieren, aber wir sind Ideenreich. Zum Schluss klappt alles und ich gewinne noch eine tolle Laufbrille für die Zwischenzeit beim Downhill.

Eine grandiose Premiere hier in Bad Reichenhall für die Trail-Raid. Dankeschön für zwei krasse, geniale, tolle, unbeschreiblich anstrengende Trailrunning-Strecken und so viele Gleichgesinnte, mit denen wir ein Wochenende verbringen durften. Dankeschön – bitte macht ein Trail-Raid Vol.2.

Hier gibts noch die Bilder von David Geieregger, also die „Bilder of awesomeness“ ! Danke David für die Aufnahmen.